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Hoffnung für Jugendliche in Brasilien

«Künftig werden die Unternehmen nur noch halb soviele Mitarbeiter benötigen, die aber doppelt soviel verdienen und dreimal soviel arbeiten», sagt der britische Wissenschafter Charles Handy. Voraussetzung sei Fort- und Weiterbildung - ein Leben lang und pausenlos. Die Globalisierung mit Megafusionen und immer hektischerem Strukturwandel fördert den Prozess. Massenentlassungen und Frustrationen sind die Folgen bei der Bevölkerung.

Kinder und Jugendliche besonders betroffen

Die globalisierte Markwirtschaft ist inzwischen in alle Teile der Welt vorgedrungen. Am meisten trifft sie Menschen mit ungenügender oder fehlender Schul- und Berufsbildung. Deshalb ist Bildung im umfassendsten Sinne ein Grundpfeiler der Hilfswerksarbeit in den Ländern des Südens. Ausbildung in Gesundheitsvorsorge und ökologisch orientierter Landwirtschaft gehören ebenso dazu wie Gemeinschaftsorganisation und Spar- und Kreditwesen. Besonders Jugendliche haben es schwer, eine Arbeit zu finden, nicht zuletzt deshalb, weil zunehmend arbeitslose Erwachsene Tätigkeiten übernehmen, die früher Jugendlichen vorbehalten waren.

Nehmen wir zum Beispiel die Stadt Recife im Nordosten Brasiliens, die von der wirtschaftlichen und sozialen Krise schwer gezeichnet ist. Die Zahl der Obdachlosen, die nicht einmal mehr in einer Favela- Hütte Unterschlupf finden und sich jede Nacht auf ein schäbiges Kartonlager betten, steigt ständig. Als Folge der Massenarbeitslosigkeit und der Verelendung hat auch die Gewalt - nicht zuletzt auch gegen Strassenkinder - zugenommen.

Handwerkliche Kenntnisse als Starthilfe

«Eine Garantie, dass unsere Schülerinnen und Schüler auch tatsächlich eine Arbeit finden, können wir zwar nicht geben, doch ohne Ausbildung sind die Chancen gleich Null», sagt Neilan Britto vom CTC in Recife (Brasilien), einer Partnerorganisation des Fastenopfers und HEKS, die auch über Brot für alle finanziert wird. Das CTC (Centro de Trabalho e Cultura) führt Berufsausbildungskurse für Erwachsene, aber auch für Strassenkinder und andere Jugendliche durch. Als ins Centro am Rande eines Armenviertels immer mehr obdachlose Kinder und Jugendliche strömten, sah sich die Leitung vor die Entscheidung gestellt, diese zu vertreiben oder aber sinnvoll in die Ausbildungstätigkeit zu integrieren.

Heute ist das CTC einer der wenigen Orte, wo Jugendliche mit wenig schulischer Vorbildung schrittweise einen Zugang zu handwerklichen Berufskenntnissen erhalten. 100 bis 200 Kinder und Jugendliche aus ärmsten Familien werden heute tagsüber in Alphabetisierungs-, Allgemeinbildungs- und Handwerkskursen in Elektronik, Grafik, Schlosserei und Schreinerei ausgebildet. Begabtere Jugendliche können anschliessend in Berufskurse übertreten. «Die Integration der Strassenkinder ins CTC braucht viel an Überzeugungsarbeit und Schwellenüberwindung bei den erwachsenen Kursteilnehmern. Doch wir dürfen und wollen nicht akzeptieren, dass einmal mehr eine Gruppe der Schwächsten an den Rand gedrängt und ausgeschlossen wird», erklärt Antonio Carlos, einer der Kursleiter im CTC.

Kreative Kräfte werden frei

Die verbesserte Bildung - dazu gehören auch Kenntnisse der Zusammenhänge in einer globalisierten Weltwirtschaft und vieles mehr - erhöht die Chancen für den Einstieg in die Arbeitswelt, sie stärkt das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler, gibt ihnen die Gewissheit, geachtet zu werden und setzt damit ungeahnte kreative Eigenkräfte frei. Die einzelnen Produktionsabteilungen des CTC, zum Beispiel die Schreinerei und die Schlosserei, haben bereits einen beträchtlichen Eigenfinanzierungsgrad erreicht.

Hoffnungsvolle Ansätze. Alle Erfahrungen, in Brasilien wie überall sonst auf der Welt, deuten darauf hin, dass bei so verstandener ganzheitlicher Bildung, wie sie unsere Hilfswerke fördern, auch die Gewaltbereitschaft markant abnimmt. (md/uaj)

Fastenopfer-Projekt E93/212-148.8649
Brot für alle/HEKS-Projekt 422.9013

 

© 1998, 1999 FASTENOPFER/ BROT FÜR ALLE.