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Für Menschenrechte in der Maquila

 

In Honduras läuft derzeit ein Projekt des Fastenopfers, das darauf abzielt, die Arbeitsbedingungen der Angestellten in der Textilindustrie zu verbessern. In den bekannten Exportzonen, Maquilas genannt, wo sich die Zulieferbetriebe der multinationalen Textilunternehmen befinden, wird hart gearbeitet. Oft werden dabei die grundlegenden Menschenrechte der Arbeiter und Arbeiterinnen missachtet. Arbeitsunfälle, Ausbeutung und Gewalt gehören zur traurigen Tagesordnung.

«Wir nennen sie die Schwalben - die Koreaner, die Nordamerikaner und die wenigen honduranischen Investoren. Sie beklagen sich über den internationalen Wettbewerb und drohen, dass sie woanders produzieren werden, wenn sich die Bedingungen zu Gunsten der Arbeiterinnen verändern. Zufrieden sitzen diese Schwalben im Astwerk der honduranischen Wirtschaft. Sie beschäftigen über 70 000 Frauen. Das ist gut so. Aber wir haben keine Rechte, während sie alle haben, und die goldenen Eier fallen nicht in unser Nest.» So berichtet Ana-Belén. Sie musste aus dem Lehrerinnenseminar austreten, um zum Familieneinkommen beizutragen, als ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen in Schwierigkeiten geriet.

«Ich erinnere mich an den ersten Tag in der Exportzone, in der Maquila. Gegen Feierabend kam der Aufseher und sagte, wir müssten heute länger bleiben. Meine Familie benachrichtigen konnte ich nicht. Nachts um elf brachten sie uns mit dem Lastwagen in die Stadt zurück. Bus fuhr keiner mehr. Ich hatte Hunger. Zuhause hatten sie sich grosse Sorgen gemacht.»

Überstunden werden selten ausbezahlt. Gewerkschaftsarbeit ist verboten. Ana-Belén sagt weiter: «Jeden Monat müssen wir zum Schwangerschaftstest. Schwangere fliegen raus. Unser Lohn ist zwar gering. Doch wir haben keine Wahl. Und so nähen wir eben weiter Hemden und träumen von einem besseren Leben.»

Mit Unterstützung des Fastenopfers beginnen nun die Frauen sich zu organisieren. Einen Schwerpunkt der Projektarbeit bildet dabei die Rechtshilfe. Bereits konnte eine Anwältin engagiert werden. Zusätzlich erteilen «Barfussanwältinnen» entsprechende Kurse. Zur Entlastung von alleinerziehenden Müttern werden Kinderkrippen errichtet. (si)

Fastenopfer-Projekt M98/225-009.104219

 

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