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1046 Einsender und
Einsenderinnen haben sich mit einer oder mehreren Stellungnahmen an der
Ökumenischen Konsultation beteiligt. Die Stellungnahmen wurden
zwischenzeitlich ausgewertet. Anlässlich der heutigen Publikation des
Auswertungsberichts werden wir Ihnen nun die wichtigsten Resultate dieser
Auswertung gerne vorstellen.
In verschiedenen
Kontexten wird eine Verschlechterung des sozialen Klimas festgestellt. Einige
Einsenderinnen und Einsender sind beunruhigt über diese gesellschaftliche
Entwicklung. Für die einen sind es die zunehmenden Belastungen in der
Arbeitswelt, für die anderen gesellschaftliche Probleme wie Ausgrenzung,
Armut oder eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, welche als Zeichen der
Verschlechterung des sozialen Klimas empfunden werden. Als Ursachen werden
einerseits die Wirtschaft und deren zunehmender Einfluss auf die übrigen
Lebensbereiche genannt. Andererseits sind es auch persönliche Haltungen
wie der Individualismus, eine schwindende Solidarität, allgemein das
Wegfallen von Werten oder eine verbreitete Konsumhaltung, welche zu dieser
Verschlechterung des sozialen Klimas beitragen. Generell ist dem Abhilfe zu
schaffen, indem der Mensch wieder mehr ins Zentrum gestellt wird, was in den
Stellungnahmen öfters gefordert wird.
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Seiten A5) können Sie über die Bestellseite für Fr. 25.-
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Ein zentrales Thema
in den Stellungnahmen sind die Umwälzungen in der Arbeitswelt, welche
für viele ein grosses Problem darstellen. Dabei beunruhigen nicht nur der
drohende Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch der zunehmende Druck und
die Konkurrenz, welche für die Arbeitnehmenden spürbar werden. Wer da
nicht mitzuhalten vermag, droht ausgeschlossen zu werden. Andere haben erst gar
nicht die Chance, in den Erwerbsarbeitsprozess hineinzukommen, was gerade im
Blick auf betroffene Jugendliche als Problem betrachtet wird. In diesem
Zusammenhang gewinnt auch die Frage des Umgangs mit Nichterwerbsarbeit an
Aktualität, dies aus Gründen der Gerechtigkeit, insbesondere zwischen
Frauen und Männern, sowie aus Gründen der Sicherstellung
gesellschaftlich notwendiger Arbeit. Insgesamt lässt sich sagen, dass am
gesellschaftspolitischen Ziel festgehalten wird, dass alle die Möglichkeit
haben müssten, an der wirtschaftlichen und dadurch an der
gesellschaftlichen Tätigkeit teilzuhaben. Jedoch bestehen verschiedene
Vorstellungen darüber, wie dies zu erreichen sei.
Verschiedentlich
wird auf die Notwendigkeit der Integration hingewiesen, nicht so sehr im Sinn
der Gewährung einer angemessenen materiellen Grundlage, als vielmehr im
Sinn eines Einbeziehens in das soziale Leben. Damit soll eine drohende soziale
Ausgrenzung verhindert werden. Eine solche kann beispielsweise Leuten in
Armutsverhältnissen, Langzeitarbeitslosen, aber auch Rentnern oder
Rentnerinnen widerfahren, bei letzteren sogar auch dann, wenn ihre materielle
Grundlage gesichert ist. In diesem Sinn soll der soziale Zusammenhalt wieder
gestärkt werden, der aber gleichermassen auf eine entsprechende
Einstellungsänderung angewiesen ist - z.B. mehr Solidarität oder
Toleranz -, weil nur sie längerfristig eine Veränderung des
Verhaltens zu motivieren vermag. Wenn mehr die materielle Seite der Integration
im Blick ist, wird öfters die Einführung eines garantierten
Mindesteinkommens in Erwägung gezogen.
Obwohl sie in der
Diskussionsgrundlage kaum zur Sprache kam, wurde die Familie in den
Stellungnahmen immer wieder thematisiert. Sie bekommt die sozialen und
wirtschaftlichen Veränderungen in besonderem Mass zu spüren und ist
gleichzeitig einem Bedeutungsverlust ausgesetzt. In diesem Zusammenhang gibt es
aber nur eine kleine Minderheit, welche meint, die Frauen sollten sich allein
dem Mutter-Sein widmen und so zu einer Verbesserung der Situation der Familie
beitragen. Sorge bereitet die Situation der Familie gerade deshalb, weil sie
nach wie vor als Grundzelle des Staates und der Gesellschaft gilt. Weitere
Schwierigkeiten erwachsen ihr durch die Kinderfeindlichkeit der Gesellschaft
und die Bedingungen, welche Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt antreffen. Dass
Kinder, welche unsere Zukunft darstellen, eine Armutsfalle sein können,
wird ebenfalls als Problem genannt. Aufgrund der Schwierigkeiten, denen eine
Familie heute ausgesetzt ist, wird das Anliegen, Familien - andere
Familienformen eingeschlossen - seien besser zu unterstützen, in den
Stellungnahmen oft geteilt. Allerdings scheiden sich die Geister da, wo es um
die konkrete Verwirklichung dieses Anliegens geht.
Schliesslich gibt es
in den Stellungnahmen einen öfters geäusserten Wunsch danach, dass
Werte als tragender Grund unserer Gesellschaft wieder mehr Geltung haben. Die
in der Diskussionsgrundlage aufgeführten Grundwerte finden denn auch
breite Zustimmung. Von den Kirchen wird ein bedeutender Beitrag beim Aufbau
eines Wertesystems erwartet. Werte wollen vermittelt sein, weshalb Erziehung
und Bildung in den Stellungnahmen einen grossen Stellenwert haben. So wird
verschiedentlich auf die Unerlässlichkeit von Persönlichkeits- und
Bewusstseinsbildung hingewiesen. Bildung ist aber auch im Sinn einer soliden
Ausbildung und kontinuierlichen Weiterbildung wichtig, weil sie das Mittel der
(Re-)Integration in den Arbeitsmarkt darstellen.
In dieser durch die
beiden grossen Landeskirchen durchgeführten Konsultation kommen
zwangsläufig auch Erwartungen der Kirche gegenüber zur Sprache. Dem
sei vorausgeschickt, dass einige Einsender und Einsenderinnen eine christliche,
zumindest aber religiöse Verwurzelung durchblicken lassen, beispielsweise
wenn sie im Glauben, Gebet oder in der Bibel Halt finden. Die Meinungen
über die Aufgabe der Kirche in der heutigen Gesellschaft zeigen eine
grosse Spannbreite: Sie reicht von der Ansicht, die Kirche solle sich allein
auf den religiösen Auftrag konzentrieren bis zur Erwartung, sie solle
politisch und gesellschafts-praktisch handeln. Dominierend ist aber doch die
Vorstellung, die Kirche habe sich für die Benachteiligten einzusetzen. Die
Kirche sieht sich aber auch ernsthafter Kritik ausgesetzt, denn öfter wird
deren Glaubwürdigkeit angemahnt. Sie müsste das, was sie vertritt, in
ihrer Praxis vorleben, beispielsweise als Arbeitgeberin, bezüglich
Stellung der Frau, hinsichtlich Mitsprachemöglichkeit oder in ihrer
Geldanlage-Politik. Als ebenso wichtig wird auch der Beitrag der Kirchen
für eine ethische Grundhaltung und für Grundwerte erachtet.
Béatrice
Bowald |