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Ungewöhnliche Zahlungsmittel: alternative Währungen

Sprechen wir heute von Währungen, denken die meisten von uns zuerst an Franken, Dollar, Mark oder Pfund. Diese Währungen sind aus unserem Wirtschaftssystem kaum wegzudenken. Alternativen können oder wollen wir uns kaum vorstellen. Es gibt aber heute noch Währungssysteme, die selbständig oder kombiniert mit dem uns bekannten Noten- und Münzsystem existieren.

Währungsformen entstehen aus den kulturellen und sozialen Zusammenhängen der jeweiligen Gesellschaften. Sie stellen innerhalb ihrer angestammten Geltungsbereiche absolute "Wertmesser" dar. Für Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein sind Währungen Symbole eines geregelten Umgangs mit Geld. Sie öffnen Grenzen und verbinden Menschen, sind Zeichen der Verständigung, Gemeinschaft und Zusammenarbeit.

Kauri - einst eine weitverbreitete Währung

KauriDie Schale der Kaurischnecke war einst von Ozeanien bis Afrika als «natürliche Münze» im Umlauf. Keine andere vergangene Währung war über so viele verschiedene Kulturräume verbreitet. In China kannte man das Kaurigeld schon vor rund 3500 Jahren. Von dort gelangte es nach Indien und weiter nach Afrika, wo es auch die Europäer als Zahlungsmittel im Handel mit der Urbevölkerung benutzten.

Die 15 bis 35 Millimeter grosse Kaurischnecke ist unverderblich, leicht zu transportieren, gut abzuzählen und wegen ihrer natürlich gewachsenen Form fälschungssicher. Dies machte sie zu einem idealen «Wertmesser». Die Kaurischnecke war aber nicht nur Zahlungsmittel, sie diente auch als Schmuck, Talisman und war ein beliebtes Mittel gegen die Unfruchtbarkeit bei Frauen.

Die Kolonialregierungen Afrikas verboten 1923 das Kaurigeld wegen ihren währungspolitischen Interessen. Noch bis in die sechziger Jahre bezahlte man in Afrika für kleine Mengen noch mit Kauris. Heute erinnert in Bamako eine übergrosse Kauri an der Fassade der Bank von Mali an die einstige Bedeutung der Kauriwährung.

Kakaobohnen - ein Zahlungsmittel mit sicherem Wert

KakaobohnenIn Süd- und Mittelamerika dienten Kaffeebohnen zuerst unter der Urbevölkerung, später auch im Handel mit den Kolonialherren und noch bis ins 20. Jahrhundert als Zahlungsmittel. Neben ihrer Funktion als Währung waren sie auch Konsum- und Gebrauchsgüter und waren deshalb ein idealer Wertmassstab. Zu festgelegten Zeiten und an bestimmten Plätzen erfolgte der Austausch von Erzeugnissen, die mit Kaffeebohnen bezahlt oder gegen solche verkauft wurden.

Es wäre aber falsch, die Kakaobohnen nur als Vorstufe der heutigen Münzwährung zu betrachten. In Notzeiten, Gebieten ohne rechtliche Strukturen und dort wo man kein Vertrauen in die nationalen Währungen hat, spielen die Naturalgelder weiterhin eine wichtige Rolle. Als Beispiel denke man an Zigaretten, die in Kriegszeiten oder in Gefängnissen als Notgeld zu einem alternativen Zahlungsmittel werden.

Perlen - Währung und Botschaft zugleich

Perlen nennt man zum Auffädeln gelochte Objekte aus Glas, Ton, Stein, Knochen, Holz, so wie Schnecken- und Muschelgehäuse, aber auch Bunt- und Edelmetalle; nicht zu vergessen die milchig-trüben Erzeugnisse der Austern. Sie können kugelig, röhren- oder scheibenförmig sein.

Bereits vor 2000 Jahren waren Glasperlen in Ägypten ein beliebter Exportartikel. Ab dem Mittelalter erfreuten sich in Europa solche aus Indien und Afrika grosser Beliebtheit. Heute noch gelten Perlen in unserem Handelssystem als feste Werteinheit.

In jeder Kultur dienen Perlen als Übermittlerinnen verschiedenster Botschaften. Sie geben Auskunft über das ästhetische Empfinden, die weltanschaulichen, politischen und künstlerischen Vorstellungen der Trägerinnen und Träger. Alter, ehelicher Status und die Position in der Gesellschaft werden durch Perlen zum Ausdruck gebracht. Von spiritueller Energie und Heilkraft zeugen deren Verwendung als Gedächtnisstütze beim Gebet.

Steingeld der Insel Yap - Geld mit festem Standort

Das Steinscheibengeld auf der mikronesischen Insel Yap (das Yap-Archipel gehört zur west-karolinischen Inselgruppe) ist weltweit einzigartig. In der Mitte der mühlsteinähnlichen Steinscheiben mit einem Durchmesser von zwischen 0,5 und 4 Metern befindet sich ein Loch. Sie sind aus Aragonitgestein oder Kalkspat gehauen, die auf der Insel selber nicht vorkommen. Die Scheiben wurden von der Bevölkerung auf dem 450 Kilometern entfernten Palau-Archipel aus dem Fels gehauen. Der rund eine Woche dauernde Transport mit Flössen war sehr gefährlich. Deshalb bekam das Steingeld so einen grossen Wert.

Die Steinscheiben spielten bei grösseren kommerziellen Transaktionen wie Bootserwerb oder Landkauf eine Rolle. Sie wurden auch als rituelles Zahlungsmittel eingesetzt, als Sühnegeld, zur Kriegsentschädigung, so wie bei Erbschaften und Heiratsverträgen. Die Steine wechselten so zwar regelmässig die Besitzer nicht aber ihren Standort. Jeder wusste, welcher Stein wem gehörte. Heute ist der US-Dollar die Hauptwährung auf Yap. Die Steinscheibe dienen den Banken aber weiterhin als Sicherheiten.

Raphiamatten - Wert wird ästhetisch sichtbar gemacht

Raphiatextilien dienten in verschiedenen Gebieten Afrikas als Zahlungsmittel. Die Plüschmatten dienten ursprünglich der Bedeckung der Geschlechtsteile, was diese zum Symbol für Fortpflanzung und Lebenskraft und damit zu wertvollen Objekten gemacht hat. Die Plüschmatten entstehen nicht in Einzelarbeit, sondern sind das Produkt eines gemeinsamen Arbeitsprozesses. Raphiamatten symbolisieren Kontinuität und Gruppenzusammengehörigkeit. Sie gelten als gemeinsames Gut. Mit den plüschierten Stoffen bezahlte man Steuern, Bussen, Löhne und Brautpreise. Die Matten waren Reichtumsanzeiger und Prestigegut. Wert und Bedeutung der Matten wurden ästhetisch sichtbar gemacht.

Heute spielen die Raphiamatten vor allem noch bei den Kuba im Kongogebiet bei Bestattungszeremonien eine Rolle. Einerseits sind sie oft als Trauerkleidung vorgeschrieben und andererseits muss der Körper der verstorbenen Person in möglichst viele Raphiamatten eingewickelt werden.

Biberfelle - einst wichtigste Währung Nordamerikas

Im 17. Jahrhundert entstand in Nordamerika mit der «Hudson's Bay Company» eines der ältesten gewinnorientierten Unternehmen der Neuen Welt. Die «Hudson's Bay Company» bewertete ihre Waren in britischem Pfund Sterling. Da die Indianer nicht über ein vergleichbares Währungssystem verfügten, konnten die Briten das Pfund nicht für den Handel mit den Indianern einsetzen.

Durch die grosse Nachfrage aus Europa war der Biberpelz bald das wichtigste Tauschgut und wurde zum allgemeinen Wertmesser erhoben. Das erstklassige Winterfell eines Bibers, "made beaver" (M-B) genannt, galt als Wertmassstab aller Handelsgüter. Ein Braunbären- oder Elchfell war zum Beispiel zwei M-B wert. Für zwölf Nadeln oder drei Messer erhielt man einen M-B. Ein Gewehr war für 14 M-B zu haben. Mit der Zurückdrängung und Ausrottung der Indianer verschwand auch das Bibergeld.

Manillen - zugleich Zahlungsmittel und Amulette gegen Krankheiten und Hexerei

Die wie Armreifen aussehenden «Manillen» galten über Jahrhunderte in weiten Teilen West- und Zentralafrikas als wichtige Währung. Sie wurden auch als Amulette getragen und sollten Krankheiten abwehren, gegen Hexerei schützen und bei Unfruchtbarkeit helfen. Eine Heiratsmanilla, mit welcher der Brautpreis entrichtet wurde, konnte bis zu vier Kilogramm wiegen.

Anfänglich war jedes Stück ein Unikat. Im Kolonialhandel brachten die Engländer standardisierte, so genannte Birmingham-Manillen, auf den Markt. Diese waren zu klein, um am Körper getragen zu werden. Im Handel zwischen den Afrikanern und den Portugiesen, später den Briten und Franzosen spielten die Birmingham-Manillen eine bedeutsame Rolle. Sie wurden gegen Gold, Elfenbein, Gewürze und insbesondere Sklaven gehandelt. Deshalb bezeichnete man die Birmingham-Manillen auch als "Sklavengeld". Birmingham-Manillen galten noch bis 1948 auf den Märkten Nigerias als akzeptiertes Zahlungsmittel.

Mokkos - ein modern anmutendes Kreditsystem

Die aus einer Bronze-Messinglegierung gegossenen Mokko-Trommeln sind auf den kleinen indonesischen Inseln Alor und Pantar als Zahlungsmittel verbreitet. Als weitere Währungen galten auch Schweine und Gongs. Die Menschen gewährten sich gegenseitig Kredite in Form von Mokkos. Dadurch entstand ein immer komplexeres Gefüge von Abhängigkeiten der Leute untereinander.

Als reich galt nicht diejenige Person, welche möglichst viele Mokkos besass, sondern diejenige welche möglichst viele Mokko-Kredite ausstehend hatte. Die Kredite wurden mit Zinsen belegt. Rückzahlungen erfolgten so mit Mokko-Trommeln, die einen höheren Wert besassen. Schulden wurden aber nie freiwillig bezahlt und mussten mit Drohungen und ständigen Ermahnungen eingefordert werden. Wollte ein Mann heiraten, musste er versuchen, seine gewährten Kredite erfolgreich einzutreiben, damit er den Brautpreis bezahlen konnte. Die Frau erhielt von ihrem Vater ihre Mitgift in Form von Mokkos. So konnte der Mann mit der Mitgift seiner zukünftigen Frau den Brautpreis bezahlen, da der Ablauf der Zahlung zeitlich nicht geregelt war.

Federgeld - Reichtumsanzeiger und Brautpreis

Die Federn des Kardinalhonigfressers dienten auf dem Südsee-Archipel Santa Cruz als Luxusgeld und Brautpreis. Sie waren Reichtums- und Prestigeanzeiger. Die Herstellung des Federgelds war sehr aufwendig. Kopf-, Rücken- und Brustfedern des Kardinalhonigfressers wurden zu Plättchen verarbeitet. 1500 - 1800 solcher Plättchen schnürte man dann dachziegelartig auf zwei parallel laufende Bastschnüre, so dass nur noch der schmale Streifen mit den roten Federpartien sichtbar war. Die Kenntnisse zur Herstellung wurde von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Der Wert des Federgeldes richtete sich nach seinem Erhaltungszustand. Mit der Zeit verblasste das intensive Rot der Federn. Somit verlor das Geld seinen Wert nach einer gewissen Zeit quasi von selber, was die Inflationsgefahr bannte. Die Herstellung wurde erst 1978 endgültig eingestellt.

Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein haben zur Aktion «Neue Noten braucht das Geld» eine Viererserie Tischsets gestaltet, die alternative Währungen zum Thema haben. Sie können über die Bestellformulare bezogen werden.



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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 14.12.2000. Das Copyright liegt bei der Npocom AG.
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