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Vom Krieg zum Rechtsstreit – eine Chronologie

1712. Im Zweiten Villmergerkrieg flieht der Konvent der Abtei St. Gallen vor den heranrückenden Berner und Zürcher Truppen nach Neu-Ravensburg im Allgäu. Ein grosser Teil der Stiftsbibliothek (Handschriften, gedruckte Bücher, Globen) sowie weiteres Klostergut (Glocken, Feuerspritzen, Gemälde, Archivalien) fällt den Truppen in die Hände und wird nach Bern und Zürich abtransportiert.

1718. Gemäss dem Friedensvertrag von Baden erhält der St. Galler Abt zwar die Hoheit über sein Territorium und die für dessen Verwaltung erforderlichen Unterlagen zurück; die Restitution der weiteren beweglichen Sachen wird jedoch auf den Verhandlungsweg verwiesen.

1719–1721. Etwa 5600 Bücher werden von Bern, etwa 4400 von Zürich nach St. Gallen zurückgebracht. Bern erstattet ausserdem Gemälde, andere Mobilien sowie seinen Anteil an der Glocken- und Feuerspritzenbeute zurück. Die Zürcher Rücksendung erweist sich dagegen als unvollständig: Es fehlen insbesondere wertvolle Handschriften und Bücher; in Zürich bleiben auch der grosse Erd- und Himmelsglobus (heute im Landesmuseum) sowie die hieher gebrachten St. Galler Glocken (über ihr weiteres Schicksal ist nichts Genaueres bekannt).

1756. Der mit der Neukatalogisierung der St. Galler Handschriften beschäftigte Stiftsbibliothekar Pius Kolb beziffert die Zahl der gegenüber früher – um 1700 – fehlenden Manuskripte auf 119, jene der fehlenden Bücher auf mehr als 1000. Zumindest ein Teil davon befindet sich bis heute in Zürich.

19./20. Jahrhundert. Der Kanton St. Gallen und der Katholische Konfessionsteil, aber auch Private wie der unlängst verstorbene Zürcher Germanist Max Wehrli unternehmen verschiedene Vorstösse in der Richtung, dass der Stiftsbibliothek «das einst geraubte Gut zurückzuerstatten» sei (Wehrli 1962/63). Bisher ist es jedoch nur zu einem einzigen Teilerfolg gekommen: Gemäss einem im Dezember 1931 abgeschlossenen Vertrag überlässt das Zürcher Staats- dem St. Galler Stiftsarchiv, also nicht etwa der Stiftsbibliothek, eine Reihe genau bezeichneter Archivalien; im Sinne einer Kompensation wechseln dafür in St. Gallen aufbewahrte Tschudi- Handschriften und weitere Dokumente nach Zürich.

stb.

 

6. März 1999 - Neue Zürcher Zeitung

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