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Ein neues Kapitel zwischen dem Vatikan und Iran

Besuch von Präsident Khatami beim Papst

R. St. Rom, 11. März

Papst Johannes Paul II. und der iranische Präsident Mohammad Khatami haben bei einem halbstündigen Treffen im Vatikan festgestellt, zwischen Christentum und Islam bestünden keine substantiellen Unterschiede. Der Vatikansprecher bezeichnete die Begegnung als herzlich, der Papst selber als wichtig und vielversprechend. Offenbar erhielt er Zusicherungen über eine Verbesserung der Lage der christlichen Minderheit in Iran. Der Dialog zwischen Christen und Muslimen soll fortgesetzt werden. Khatami trat nicht nur als iranischer Staatschef auf, sondern auch als Präsident der 55 Länder umfassenden Organisation islamischer Staaten. Die entspannte Stimmung im Vatikan entsprach jener, die an den Vortagen bei den Begegnungen mit den Repräsentanten des italienischen Staates geherrscht hatte. Fast zuviel als dass man alles glauben könnte, war an den drei Besuchstagen von Ethik, Menschenrechten und Demokratie die Rede, wobei Khatami unter «Demokratie» nicht nur Individualrechte, sondern auch die Gleichberechtigung der Völker zu verstehen schien. Dass es um die Rechte und den Schutz der Person in Iran noch nicht zum besten bestellt ist, bekamen die Römer eine halbe Woche lang von den Vertretern iranischer Exilorganisationen zu hören, die den ersten Auftritt eines Präsidenten der islamischen Republik im Westen mit vielen Demonstrationen für ihre eigenen Zwecke benutzten. Eine halbe Woche lang waren ganze Teile der Ewigen Stadt lahmgelegt.

Vor seiner Weiterreise traf Khatami am Donnerstag mittag mit Spitzenvertretern der italienischen Wirtschaft zusammen. Am Vortag hatten Ministerpräsident D'Alema und der Iraner einen Vertrag über politische, wirtschaftliche und kulturelle Kooperation unterzeichnet.

 

12. März 1999 - Neue Zürcher Zeitung

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