Pressespiegel

Kirche-Religion-Gesellschaft


Direkt zur Online-Ausgabe der NZZ

Aargauer Zeitung

Basler Zeitung

Berner Zeitung

Freiburger Nachrichten

Neue Luzerner Zeitung

Neue Zürcher Zeitung

St.Galler Tagblatt

Tages-Anzeiger

Sonntagszeitung

Weltwoche

Wochenzeitung

 

Jugendarbeit im Wandel

Die Jugendseelsorge Zürich baut ihr Angebot um

Seit März 1979 wirkt die katholische Jugendseelsorge im Kanton Zürich. Noch heute ist die Arbeitsstelle für Jugendarbeit und -beratung der Römisch-Katholischen Zentralkommission eine wichtige Anlaufstelle für junge Leute und Jugendarbeiter. Um ihre Attraktivität zu behalten, setzt sie vermehrt auf spirituelle Animation.

sbl. «Unsere Türen sind für alle offen», sagt Stephan Kaiser, Leiter der Jugendseelsorge Zürich, unabhängig von Nationalität oder Konfession. Die Jugendseelsorge des Kantons Zürich berät junge Leute bis 30 Jahre und ihre Bezugspersonen in schwierigen Lebenssituationen laut Stephan Kaiser ohne religiöse Indoktrination. Bei Fragen zum Glauben würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter natürlich nicht abwinken, zumal einige von ihnen Theologen sind. Für die Jugendseelsorge arbeiten aber auch Psychologen, Sozialarbeiterinnen, Berufs- und Laufbahnberaterinnen oder Jugend-Animatoren. Allen gemein ist die christliche Lebensauffassung, mit der sie ihren fachspezifischen Beitrag zugunsten junger Menschen leisten.

Weiterbildung für Jugendarbeiter

Die Tätigkeit der Jugendseelsorge gliedert sich in Jugendarbeit und Jugendberatung, wobei der Bereich der Jugendarbeit in den letzten Jahren immer wichtiger wurde. Im Jahresprogramm der Jugendseelsorge wird dies deutlich. Das Angebot umfasst eine breite Palette an Weiterbildungskursen und Veranstaltungen für Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Laut Karin Vannay, Beauftragte und Animatorin für Jugendarbeit, hat dies unter anderem damit zu tun, dass es immer schwieriger wird, Leute zu finden, die in der Jugendarbeit tätig sein wollen. Die Arbeitszeiten seien unregelmässig und die katholische Kirche als Arbeitgeber für viele nicht mehr attraktiv. Mit einem vielfältigen Kursprogramm könne der Anreiz für einen Einstieg geschaffen werden. Ein weiteres Problem sei, dass die Pfarreien häufig für Jugendarbeit weniger Geld übrig hätten. Das hat dazu geführt, dass 20 von 97 Pfarreien des Kantons Zürich keine Angestellten für Jugendarbeit haben.

So wie die Jugendseelsorge haben sich in den letzten 20 Jahren auch die Jugendlichen verändert. Der Kontakt in der Jugendberatung gestalte sich heute zunehmend schwieriger und anspruchsvoller, sagt der Leiter, Stephan Kaiser. Nur wer selbst so offen sei wie die Jugendlichen und keine Tabuthemen kenne, könne im Gespräch überzeugen. Die Konfrontation mit möglicherweise unangenehmen Fragen dürfe ein Mitarbeiter nicht scheuen. Viele Jugendliche hätten schon mal gekifft, Ecstasy geschluckt oder im «Jail» getanzt. Ein Jugendarbeiter müsse die Lokale und Trends der jungen Szene kennen. Damit die Jugendlichen die Anlässe der Jugendseelsorge besuchen, braucht es heutzutage mehr als Gottesdienste mit Bibeltexten und Gitarre. Spirituelle Angebote liegen im Trend. Um der Nachfrage nach Begegnungsmöglichkeiten gerecht zu werden, werden regelmässig Meditation und Jugendvesper in der reformierten Predigerkirche in Zürich organisiert. Die Veranstaltungen im letzten Jahr waren so schlecht besucht, dass es im gegenwärtigen Jahresprogramm nur noch drei reine Jugendangebote gibt.

Im Spagat zwischen den Erwartungen der katholischen Kirche und denjenigen der jungen Leute rückt die Jugendseelsorge aktuelle Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Sekten und Prüfungsangst in den Vordergrund. «Die Jugendseelsorge muss mutiger werden, ohne sich selber untreu zu werden», sagt Karin Vannay. So stehen jungen Stellenlosen Computer mit Internet-Zugang zur Verfügung, auf denen sie freie Stellen suchen und Bewerbungen schreiben können. Im Kurs «Prüfungsstress» lernen sie Nervosität und schlaflose Nächte zu bewältigen. Der Theologe und Psychologe Norbert Hänsli stellt fest, dass Einsamkeit, Angst, Stress und Kontaktschwierigkeiten die häufigsten Gründe für eine psychologische Beratung bei Jugendlichen oder ihren Bezugspersonen sind. Häufig täuschten Probleme wie übermässiger Konsum von Zigaretten oder Alkohol über die wahren Ursachen der Krise hinweg. Dahinter verstecke sich oft eine Sinnkrise.

Nützliche Zusammenarbeit

321 Male wurde das Beratungsangebot der Jugendseelsorge 1998 beansprucht. Die meisten Anfragen waren von Leuten aus der Stadt Zürich, denen Bekannte von ihren Erfahrungen mit der Jugendseelsorge erzählt haben. In den letzten Jahren haben sich die Anfragen in diesem Rahmen bewegt. Am häufigsten waren Anfragen zur Laufbahn, Arbeitssuche oder zu den neuen religiösen Bewegungen. 1983 zog die Jugendseelsorge ins Haus Auf der Mauer 13 in Zürich ein und profitiert dort seitdem von der Zusammenarbeit mit der Fachstelle für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, dem Verband katholischer Pfadfinderinnen, dem Blauring und der Jungwacht des Kantons Zürich.

Die 650 Stellenprozente verteilen sich auf sieben Mitarbeiter, wovon drei in der Jugendarbeit und zwei in der Jugendberatung tätig sind. Zu 35 Prozent betreut ein Mitarbeiter das Projekt Begleitetes Wohnen, das drogenabhängigen und HIV-positiven Jugendlichen helfen will, den Alltag zu meistern, und ihnen ein Dach über dem Kopf bietet. Finanziert werden die Projekte der Jugendseelsorge von der katholischen Kirche Zürich. 1998 betrug der finanzielle Aufwand 1 001 580 Franken, wovon 88 000 Franken aus Eigeneinnahmen aus Kursen und Spenden bezahlt werden konnten.

13. März 1999 - Neue Zürcher Zeitung

Recherche
Links
Archiv
Suchen
Impressum

Nach oben