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Die EVP - Links der Mitte

bd. Im Gründungsjahr 1917 der Evangelischen Volkspartei hat in den Kantonsratswahlen die «Protestantisch-christliche Liste» 2 von damals 223 Mandaten errungen. Bis 1923 stieg die Vertretung der EVP auf 9 von 257 Abgeordneten. Dann war ihr Höhenflug für lange Zeit vorbei. Den Tiefpunkt verzeichnete sie 1947 mit noch einem einzigen von 180 kantonalen Parlamentariern. Der Wiederaufstieg war kontinuierlich, mit 11 Mandaten in den Wahlen von 1963, 1967 und 1971 und einer Spitze von 14 Sitzen zwischen 1983 und 1987. Zurzeit umfasst die evangelische Fraktion 9 Mitglieder, eine Frau und 8 Männer. 

Ihr Wähleranteil von 5,5 Prozent sichert der Evangelischen Volkspartei den sechsten Rang unter den im Kantonsrat vertretenen Parteien. Damit gehört die EVP zu den kleinen politischen Gruppierungen, was sie geschickt und regelmässig zur Sympathiewerbung benützt. Ebenfalls traditionell hervorgehoben wird die Positionierung in der politischen «Mitte». Durch das «Bündnis für Gerechtigkeit und soziale Verantwortung» mit den Sozialdemokraten als weitaus stärksten Partnern neben dem Landesring und den Grünen in den Regierungsratswahlen 1999 hat sich der Schwerpunkt dieser Mitte jedoch stark nach links verschoben. Im Alleingang sei sie zu schwach, um einen Regierungssitz zu erringen, begründet die EVP ihre Allianz. Mathematisch liegt der Anspruch auf eine Regierungsbeteiligung auch näher bei 15 Prozent Wähleranteil als bei 5 Prozent. Die bisherigen Versuche der EVP, mit den Kandidaturen Willy Sauser, Werner Wydler, Max Dünki und Ernst Frischknecht in der Zürcher Regierung Einsitz zu nehmen, sind gescheitert. Als neuer Hoffnungsträger wurde der 1994 als Zürcher Stadtrat abgewählte Ruedi Aeschbacher erkoren. 

Grundsätzlich könnte sich die EVP auch ein Bündnis mit Parteien der bürgerlichen Mitte vorstellen, hat Kantonalpräsident Peter Schäppi erklärt; doch leider sei die Zeit dafür noch nicht reif. Vorgeschlagen wird, die SVP rechts liegen zu lassen. Die Zürcher Wähler wünschten einen Wechsel, glaubt die EVP, aber sie wollten keine links-grüne Regierung nach Stadtzürcher Vorbild. Mit dem Landesring zusammen offeriere die EVP eine «Garantie» dafür, dass die Zürcher Regierung nicht von einem Extrem ins andere abgleite. Damit überschätzt die EVP ihre Kräfte indessen eindeutig. Bei den Abstimmungen im Kantonsrat schlagen sich die Abgeordneten der EVP von Fall zu Fall auf die eine oder die andere Seite, meist aber auf jene der Linken. Für die kommenden Parlamentswahlen hat die Evangelische Volkspartei in allen 18 Wahlkreisen Listen eingereicht. Portiert werden 75 Frauen (42 Prozent) und 105 Männer. 

16. März 1999 - Neue Zürcher Zeitung

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