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Aktive Balkandiplomatie des Vatikans

Der Papst für Wiederaufnahme von Verhandlungen

R. St. Rom, 29. März

Der Vatikan verlangt mit Nachdruck die Beendigung der Bombardierung Serbiens und die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Papst Johannes Paul II. sagte am Montag vor Parlamentariern des Europarates, man könne eine Gewalttat nicht mit einer andern vergelten. In ähnlicher Weise hatte er in der Palmsonntagsmesse zur Wiederaufnahme von Verhandlungen geraten. Die vatikanische Diplomatie bewegt sich zurzeit auf leisen Sohlen, ist aber nicht untätig. Dass sich nun Russland an einer Lösung beteiligt, scheint ihr ein gutes Zeichen, und einzelne vom Vatikan inspirierte italienische Beobachter unterstellen der amerikanischen Führung auch, sie wolle auf dem Balkan ein Protektorat einrichten. Hier ist das Gedächtnis kurz, denn die Vereinigten Staaten standen zu Beginn der neunziger Jahre auf dem Standpunkt, Jugoslawien sei eine europäische Angelegenheit.

Verschiedene Masse

Nun hat sich der Vatikan vor drei Fällen des Waffeneinsatzes zweimal dagegen (Irak, Serbien) und einmal dafür (Bosnien) ausgesprochen. Angesichts der Ähnlichkeit der Verhältnisse zwischen Kosovo und Bosnien und des gleichen Aggressors (Milosevic) hätte die moralische Unterstützung für die zurzeit laufende Aktion gegen Serbien eher der Logik entsprochen. Der Papst, der nie besondere Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeiten Moskaus an den Tag gelegt hat, urteilt nun offensichtlich nach anderen Massstäben. Inwiefern dabei der angestrebte Modus vivendi mit orthodoxen Kirchen eine Rolle spielt, wird man vielleicht im Laufe der Zeit erkennen. Für das zweite Wochenende im Mai steht ein Besuch Johannes Pauls II. in Rumänien auf dem Programm.

Schwankende Regierung D'Alema

Das Schicksal der Regierung D'Alema hängt an einem Faden. In den italienischen Zeitungen mehren sich die Stimmen jener, die einer Intervention skeptisch gegenüberstehen, die Massaker der Serben an den Albanern mit Stillschweigen übergehen und für die die Kriegshandlungen auf dem Balkan am letzten Mittwoch abend begonnen haben. Sie finden eine willige Zuhörerschaft bei einer Bevölkerung, die sich nicht um die Ursache des Konflikts schert und für die letztlich das Wohlbefinden einiger serbischer Klassefussballer wichtiger ist als das Schicksal eines unterdrückten Volkes. In Umfragen erklärten die Italiener zur Hälfte ihre Opposition zu den Bombardierungen, nur ein Viertel befand sie als zwar bedauerlich, aber notwendig. In Befolgung der Motion des Parlaments hat Ministerpräsident D'Alema Präsident Milosevic erneut aufgefordert, auf Verhandlungen einzutreten. Diese Initiative wird von den Kommunisten und den Grünen als nicht ausreichend beurteilt, beide Fraktionen halten ihre Drohung mit dem Auszug aus der Regierung aufrecht. Dies würde noch nicht deren sofortigen Sturz bedeuten, doch ihre Handlungsfähigkeit würde entschieden eingeschränkt. Die Vermittlungsinitiative des russischen Ministerpräsidenten Primakow wurde von der Farnesina begrüsst.  

30. März 1999 - Neue Zürcher Zeitung

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