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Ökumenisches Gipfeltreffen

Der Churer Bischof zu Gast bei der Reformierten Landeskirche

pi. Fünfzehn Jahre sind es her, seit sich die Leitung der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich und der Bischof von Chur zum letztenmal offiziell besucht haben. Zu lange, wie Kirchenratspräsident Ruedi Reich, Bischof Amédée Grab und Weihbischof Peter Henrici an einem Pressegespräch unisono festgestellt haben. Die beiden Kirchenleitungen wollen sich in Zukunft öfters treffen werden, nicht erst wieder in fünfzehn Jahren, wie sie bekanntgaben. Ein Gegenbesuch in Chur ist bereits geplant.

Die offizielle Begegnung zwischen dem Bistum Chur und dem reformierten Zürich hat am Mittwoch in einer sichtlich freundschaftlichen Atmosphäre stattgefunden. In liturgischen Sequenzen im Grossmünster und im Fraumünster gedachten die kirchlichen Würdenträger speziell der kosovo- albanischen und der serbischen Bevölkerung und schlossen in ihren Gebeten alle leidenden und verfolgten Menschen ein. Im Laufe des von der Frühlingssonne beschienenen Tages fanden ferner Gespräche mit Regierungsrat Markus Notter, René Zihlmann, Präsident der Römisch-Katholischen Zentralkommission, und anderen Behördenmitgliedern statt, in denen die ökumenische Situation im Kanton Zürich erörtert wurde.

Während des Gesprächs mit den Medienvertretern betonte Reich die gut funktionierende Zusammenarbeit der beiden Landeskirchen auf der Ebene der Pfarreien und der Kirchgemeinden sowie in den gemeinsamen diakonischen Werken. Grab strich zunächst das gute Verhältnis zwischen Chur und Zürich heraus, womit er den Zürcher Katholiken offensichtlich ein Signal sendete, die nach der Ära Haas weitgehend das Vertrauen in die Bistumsleitung verloren hatten. Wichtig seien aber auch die Zusammenarbeit der Kirchen und das gegenseitige Vertrauen, meinte Grab. Die Stimmung mochte noch so gelöst wirken, es wurden auch Themen angesprochen, über die Grab und Reich anders denken und glauben und die einige Runzeln auf den Stirnen hervorriefen.

Eine Differenz besteht in bezug auf den Bistumsartikel, der ausgiebig diskutiert wurde. Während die Bischofskonferenz die Aufhebung des Artikels wünscht, der die Errichtung neuer Bistümer der Genehmigung des Bundes unterstellt, weil sich die Bestimmung allein gegen die Römisch-Katholische Kirche richte und im Widerspruch zur Glaubensfreiheit stehe, spricht sich der Kirchenbund gegen die vorgeschlagene Aufhebung des Verfassungsartikels. Auf weitere Sicht strebt der Kirchenbund einen neuen Kirchen- und Religionsartikel in der Verfassung an. Grab sagte mit leicht ironischem Unterton, der Bistumsartikel werde wohl kaum einen Religionskrieg verursachen. Vielmehr sollen sich die Landeskirchen trotz der unterschiedlichen Haltung auf das Gemeinsame, auf das Evangelium, besinnen und in gegenseitigem Respekt argumentieren.

Auf Interesse stiess sodann die Frage nach einem Bistum Zürich. Grab antwortete einmal mehr betont diplomatisch, dass es sich seiner Meinung nach derzeit nicht um das aktuellste Thema handle. Er wies darauf hin, dass der Kanton Zürich bereits einen Weihbischof und Generalvikar in der Person von Henrici habe, die juristische Sachlage nicht klar sei und eine Neueinteilung von Bistümern, die Veränderung historisch gewachsener Strukturen, immer Emotionen wecke. Gemäss Ausführungen von Reich hätte die Evangelisch-Reformierte Landeskirche keine Mühe mit einem «Bischof von Zürich»; allerdings müssten ihn die Zürcher Katholiken mittragen, damit die ökumenische Zusammenarbeit, die der Kirchenrat immer wieder ansprach, nicht gefährdet werde. Ein Zürcher Bischof dürfe die guten Beziehungen der beiden Kirchen nicht belasten.

Dass diese offizielle Begegnung nicht die letzte sein wird, bewiesen eine Reihe weiterer Punkte, die in den Diskussionen nur angeschnitten und nicht zu Ende beraten werden konnten. In diesem Monat werden Vertreter der beiden Landeskirchen ein Gespräch mit Bildungsdirektor Buschor führen über den konfessionell kooperativen Religionsunterricht beziehungsweise über ein neues Fach namens Religion und Kulturen und damit über den faktischen Rückzug der Kirchen aus der Schule. Schliesslich dürften die Interkommunion und die eucharistische Gastfreundschaft die beiden Landeskirchen noch über längere Zeit beschäftigen.  

1. April 1999 - Neue Zürcher Zeitung

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