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Zwischen Osterhase und Osterinsel

wle. Allein an der Anzahl gemessen lässt sich belegen: Die Weihnachtsmarken und -stempel erfreuen sich weit grösserer Beliebtheit als das Motivgebiet Ostern, unbekümmert der Tatsache, dass die Auferstehung Christi als das höchste christliche Fest, als Mittelpunkt des Kirchenjahres gilt. Wer sich auf die Suche nach österlichen Marken- und Stempelmotiven macht, müsste erst einmal unterscheiden zwischen:

1. Religiöse Sujets wie etwa Christi Leidensweg und Auferstehung, am eindrücklichsten dargestellt durch bedeutende Interpreten der Blütezeit der Malerei wie Tiepolo, Rubens, Raffael, Reni, Multscher, del Sarto, Grünewald und van der Weyden. Staaten aus der amerikanischen Hemisphäre haben sich der entsprechenden Bilder mit einer Wonne ohnegleichen angenommen, allen voran Paraguay (1967) und Panama (1967), Guayana, St. Lucia und weitere von derselben Agentur betreute Karibikinseln.

2. Geographische Begriffe. Der berühmteste Name dürfte hier die Osterinsel sein. Nur: wer weiss schon, wo dieses Eiland liegt? Es ist gar nicht leicht, die Osterinsel auf einem Atlas auszumachen. Denn sie liegt auf den auf den Weltkarten beileibe nicht verwöhnten Gebieten im Südpazifik, auf halbem Weg zwischen Tahiti und seinem 4000 km entfernten Stammland Chile, ungefähr beim 109. Längengrad / 28 Grad südlicher Breite. Es handelt sich um eine der in polynesischen Gefilden oftmals anzutreffenden Vulkaninseln. Weshalb heisst sie denn Osterinsel? Die Polynesier, die im 14. Jahrhundert die Insel entdeckt haben sollen &endash; nach anderen Quellen bereits 400 n. Chr. &endash;, wussten jedenfalls noch nichts von einem Osterfest. Aber der holländische Admiral Jacob Roggeveen als europäischer Entdecker jener Pazifikzone landete am Ostersonntag des Jahres 1722 auf der 180 km2 grossen, dreieckförmigen Insel und gab ihr den entsprechenden Namen. Weshalb sie zu Chile gehört? Weil ein Chilene die von einem Schafzucht betreibenden Franzosen bewohnte Insel 1888 kurzerhand annektierte. Heute wird sie von einem bunten Völkergemisch von etwas mehr als 2000 Seelen bewohnt. Der Tourismus hat nicht viel zu bieten. Als Attraktion gelten die monumentalen, aus Tuffstein gehauenen Statuen (moai), 638 an der Zahl, bis zu 20 m hoch und bis zu 30 Tonnen schwer. Sie figurieren vereinzelt auf den von der chilenischen Postverwaltung herausgegebenen Briefmarken. Eigene Osterinsel-Wertzeichen gibt es nicht. Die Stempel stammen vorwiegend vom Hauptort Hanga Roa. Osterfingen und Ostermundigen. Wer auf einer Stempeljagd nach geographischen Begriffen sucht, wird sowohl im deutschsprachigen Bereich wie auch in anderen Sprachen im Dutzend fündig. Da haben wir doch in der Schweiz Osterfingen (Schaffhausen), Ostermundigen (Bern) und Ostergau/Willisau. Ein Vielfaches von ähnlichen Begriffen für Orte, Berge und Flüsse finden sich in Deutschland und Österreich; doch oft ist es schwierig zu unterscheiden, ob bei der Namengebung eine Anlehnung an Osten oder Ostern erfolgt ist.

3. Begriffe aus Fauna und Flora. Selbstverständlich stehen Osterhas und Ostereier im Vordergrund. Im Tierreich kann nach dem Schneehasen geforscht werden, wie wir ihn von der Pro-Juventute-Marke von 1965 (Z J214) her kennen, und auch Celestino Piattis Kaninchen von 1991 (Z 791) hält einem Vergleich durchaus stand. In den USA war Walt Disneys Bugs Bunny für einen Rekordumsatz besorgt. Mit Ostereiern ist die Welt der Philatelie noch nicht verwöhnt worden. Hingegen finden sich im Motivgebiet Blumen Schönheiten wie die Osterglocke (Pro Juventute Z J206) und die Osterluzei.  

1. April 1999 - Neue Zürcher Zeitung

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