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Christlich-muslimischer Streit in Nazareth

Wem gehört das Grundstück vor der Verkündigungskirche?

gsz. Jerusalem, 8. April

Im Heiligen Land ist die Kontroverse zwischen Israeli und Arabern nicht der einzige Konflikt, der einer Lösung harrt. Auch zwischen Christen und Muslimen entbrennen von Zeit zu Zeit Auseinandersetzungen. So schwelt seit einer Woche in Nazareth ein Streit, der zu Unruhen mit Steinwürfen und Brandschatzungen führte. Bei Zusammenstössen wurden bis anhin ein Dutzend Leute verletzt, zwei Geschäfte und dreissig Fahrzeuge wurden in Brand gesteckt. Die Polizei nahm bisher elf Verhaftungen vor.

Streitpunkt ist ein 1800 Quadratmeter umfassendes Grundstück vor der Verkündigungskirche, mitten in der Stadt. Laut dem Neuen Testament verkündete der Engel Gabriel angeblich an diesem Ort Maria, dass sie schwanger sei. Aus Protest gegen die Haltung der Muslime blieben die Kirchen der Stadt am Dienstag und am Mittwoch geschlossen. Die Verkündigungskirche ist der zentrale Anziehungspunkt Nazareths für Touristen aus aller Welt. Die christlichen Bewohner wollten auf dem Grundstück einen Vorplatz zur Kirche erstellen, um rechtzeitig zum Jahr 2000 die erwarteten Touristenströme zu fassen. Der Plan genoss die Unterstützung der israelischen Regierung, doch die Muslime behaupteten, dass das Areal dem «Waqf», der Verwaltungsbehörde islamischer Heiligtümer, gehöre. Sie bestanden auf dem Bau einer Moschee an diesem Ort. Eine israelische Anregung, die zur Schlichtung des Konfliktes vorschlug, einen temporären Vorplatz zu erstellen und nach dem Jubeljahr an der gleichen Stelle eine Moschee zu bauen, wurde abgelehnt. Bis anhin konnten die Gemüter nicht beruhigt werden. Der Konflikt wird dadurch verschärft, dass der Bürgermeister der Stadt Nazareth ein Christ ist, während die Mehrheit des Stadtrates Muslime sind.

© Neue Züricher Zeitung - 09.04.1999

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