Horgen: Umstrittener Pfarrer tritt
zurück
Erleichterung in der
Kirchenpflege
K. R. Die Römisch-Katholische Kirchgemeinde
Horgen scheint auf dem Weg zur Bewältigung des seit
Jahren in der Pfarrei St. Joseph schwelenden Konflikts
einen entscheidenden Schritt weitergekommen zu sein. In
einer in der «Horgner Zeitung» erschienenen
Erklärung gibt der umstrittene Pfarrer Thomas Bieger
bekannt, dass er per Ende der Sommerferien 1999 vorzeitig
von seinem Amt zurücktreten werde. Im nächsten
Jahr hätte sich Pfarrer Bieger der Wiederwahl
stellen müssen.
Er hoffe, «mit diesem Entgegenkommen die
Grundlage für die Wahl eines neuen Pfarrers zu
schaffen, damit die Lage in Horgen
christlich-versöhnlich geregelt werden
könne», schreibt Bieger. Mit Befriedigung habe
er festgestellt, dass alle seine kirchlichen Oberen
erklärt hätten, Gründe für seine
vorzeitige Abberufung seien nicht gegeben und
kirchenrechtlich stehe es ihm frei, die Amtsdauer zu
beenden und sich der Wiederwahl zu stellen. Zum
Rücktritt habe er sich in Absprache mit seinem
Bischof und dem Personalrat sowie zur Beruhigung der
Situation entschlossen.
Der Vizepräsident der Kirchenpflege, Heinz
Widrig, bezeichnete den Rücktritt von Thomas Bieger
auf Anfrage als «Schritt zur Versöhnung».
Im Kreise der Kirchenpflege sei man froh und erleichtert,
dass sich Bieger doch noch zu diesem Schritt habe
entschliessen können. Die Kirchenpflege hatte
bereits im Jahre 1996 die Versetzung des wegen
angeblicher Führungsschwäche und wegen seiner
positiven Haltung gegenüber
heilerisch-exorzistischen Praktiken umstrittenen Pfarrers
verlangt. Einen ersten Beitrag zur Entspannung vermochte
im letzten Sommer der Weggang von Thomas Rellstab zu
leisten, der Ende 1996 vom damaligen Churer Bischof
Wolfgang Haas gegen den Willen der Kirchenpflege zum
Vikar in Horgen ernannt worden war. &endash; Bleibt nun
noch der Beitrag der Kirchenpflege zur Befriedung der
Horgner Pfarrei. Als Gegenleistung für personelle
Veränderungen in den beiden Kirchenämtern hatte
sich eine Mehrheit der sieben Mitglieder zählenden
Kirchenpflege im Rahmen einer Vereinbarung mit der
Römisch-Katholischen Zentralkommission und dem
Generalvikar des Bistums Chur in Zürich im Herbst
1997 bereit erklärt zurückzutreten. Das geschah
dann indes nicht wie vereinbart per Ablauf der
Amtsperiode 1994&endash; 1998, und zwar weil die
Vereinbarung von seiten der Geistlichkeit nicht
eingehalten wurde, d. h. Rellstab und Bieger die Gemeinde
nicht per Ende 1997, beziehungsweise Mitte 1998
verliessen. Laut Widrig ist es auch jetzt noch zu
früh für die besagten Rücktritte. Die
Voraussetzungen dazu seien erst erfüllt, wenn die
Nachfolge von Bieger geregelt und gewährleistet sei,
dass sich die Pfarrei wieder entfalten könne.
Nachdem ein Kirchenpflegemitglied bereits seinen
Rücktritt erklärt hatte, stehen nun noch die
Rücktritte von Kirchenpflegepräsidentin Anita
Bächtiger, Vizepräsident Heinz Widrig und von
Kirchenpflegemitglied Erich Hollenstein an.
© Neue Züricher Zeitung -
14.04.1999