Positive Zeichen aus Chur
Sitzung der katholischen Kirchensynode
rib. Nachdem die Sitzungen der
römisch-katholischen Synode des Kantons Zürich
während Jahren mit besorgten Worten zur Situation im
Bistum Chur begannen, gab Präsident Markus Arnold am
Donnerstag der Genugtuung über ein Gespräch zum
Ausdruck, welches das Synodenbüro Anfang Jahr mit
Bischof Amédée Grab geführt hatte.
Er habe, sagte Präsident Arnold, in
Amédée Grab einen dialogbereiten Bischof
gefunden, der die Sorgen der Kirchenglieder ernst nehme.
Das wichtigste Anliegen sei es nun, dafür zu sorgen,
dass die kleine Minderheit intransigenter Katholikinnen
und Katholiken zum Dialog finde. Es müsse, sagte
Arnold, wieder so weit kommen, dass pastorale Probleme
vor Ort und nicht in Rom entschieden werden. Dies sei
aber nur möglich, wenn auch im Mitarbeiterstab des
Bischofs ein breites Meinungsspektrum repräsentiert
sei. Auch die Minderheit am rechten Flügel des
kirchlichen Meinungsspektrums müsse in Chur und den
kirchlichen Gremien vertreten sein. Anderseits habe die
konservative Minderheit zu akzeptieren, dass sich der
Mitarbeiterstab des Bischofs wieder vielfältiger
zusammensetzt. In diesem Sinn sei die Neubesetzung des
Bischofsrats mit Genugtuung zur Kenntnis genommen worden.
Zusammen mit der Ernennung des früheren Regens des
Priesterseminars, Franz Annen, zum Rektor der
theologischen Hochschule Chur und dem Besuch des Bischofs
in Zürich habe Chur positive Zeichen gesetzt.
&endash; Zu entscheiden hatte die Synode dann unter
anderem über einen Beitrag von 100 000 Franken
zugunsten des von der Caritas Zürich initiierten
Projekts «WERTstatt». Das Vorhaben setzt sich
zum Ziel, die Bevölkerung für soziale
Ungleichgewichte, besonders für die
Erscheinungsformen der neuen Armut, zu sensibilisieren,
die als Folge der Erwerbslosigkeit zu einem immer
grösseren sozialen Problem würden. Mit einem
Theaterprojekt und daran anschliessenden Gesprächs-
und Arbeitsgruppen will «WERTstatt» auf breiter
Basis eine Wertediskussion anregen und mithelfen,
Handlungsperspektiven hinsichtlich eines solidarischeren
Lebensstils zu entwickeln. Trotz Vorbehalten &endash; auf
Kritik stiessen ausser dem Theaterprojekt die Tatsache,
dass sich ein Hilfswerk ausserhalb der direkten Hilfe im
Bereich der Bewusstseinsbildung engagiert, sowie
mangelhafte Information der Synode &endash; wurde der
Beitrag bewilligt.
Eine längere Debatte entspann sich schliesslich
um den Rückzug der Kantonalkirche aus der
Finanzierung der Italienermission. Nach der von der
Synode verabschiedeten Neufassung der Verordnung zur
Finanzierung der Fremdsprachigenseelsorge wird die
Zentralkasse ab dem Jahr 2000 ihre Beiträge
zugunsten der Italienermission reduzieren und ab 2003
keine Beiträge mehr entrichten. Zu Diskussionen
Anlass gab hier vor allem die daraus folgende
stärkere finanzielle Belastung der Kirchgemeinden.
© Neue Züricher Zeitung -
16.04.1999