Kathedrale am Damrak
Amsterdams Sint Nicolaaskerk
holl. Besucher von Amsterdam werden gerne in das
Museum Amstelkring geführt, eine 1663 versteckt im
Giebel eines Kaufmannshauses eingerichtete
römisch-katholische Kirche. Dass es aber in der
calvinistisch geprägten Grachtenstadt auch eine
katholische Kathedrale gibt, wissen die wenigsten. Dabei
schliesst die in schwerem Neubarock gestaltete
Kuppelkirche mit der eigenwilligen Doppelturmfassade den
Bahnhofplatz mit monumentaler Geste gegen Osten ab und
bildet mit dem im Stil der nordischen Neurenaissance von
P. J. H. Cuypers errichteten Hauptbahnhof das
eindrücklichste historistische Architekturensemble
der Niederlande. Mit der nach dem Patron der Stadt
benannten Sint Nicolaaskerk schuf der Eklektizist
Adrianus Cyriacus Bleijs (18421912), Cuypers'
Schüler, zwischen 1883 und 1887 Amsterdams
bedeutendstes katholisches Gotteshaus seit der
Reformation. Es spiegelte nicht nur das neugewonnene
Selbstverständnis der Amsterdamer Katholiken,
sondern auch die Tradition, in der sich diese Kirche sah,
waren doch ihre Vorgängerbauten die heute
reformierte Oude Kerk und später die eingangs
erwähnte Dachkirche «Ons' Lieve Heer», die
beide ebenfalls St. Nikolaus geweiht waren.
Allerdings bezog sich Bleijs anders als Cuypers, der
bei seinen Sakralbauten den neugotischen Stil bevorzugte,
nicht auf die Formensprache der Oude Kerk, sondern auf
jene von «Ons' Lieve Heer», die dem Kanon der
Gegenreformation entsprechend in barocken Formen
ausgestaltet wurde. Seit zwei Jahren wird nun Bleijs
eindrücklicher Bau aussen sanft renoviert. Im Innern
aber verlangen die durch Russ und Feuchtigkeit stark in
Mitleidenschaft gezogenen Malereien eine aufwendige
Restaurierung. Dies war nun dem Amsterdams Historisch
Museum Anlass für eine die Entstehungsgeschichte der
Kirche dokumentierende Ausstellung. Die grossformatigen
Präsentationsaquarelle von Aussenbau und Innenraum
weisen Bleijs als einen begnadeten Entwerfer aus, der von
der Architektur über die Altäre und
Glasmalereien bis hin zum Kirchensilber alles selbst
zeichnete und so ein eigentliches Gesamtkunstwerk schuf.
Gleichwohl war das Kircheninnere 1887 noch ohne die
geplante malerische Ausstattung. Erst eine
grosszügige Schenkung erlaubte es der Gemeinde, dem
hochangesehenen Kirchenmaler Jan Dunselman einen Auftrag
für zwei Gemäldezyklen zu erteilen. Diese
werden in der Ausstellung anhand der Entwürfe
diskutiert und auf die konservatorischen Probleme hin
befragt. Ausserdem werden acht neue
Glasfensterentwürfe für das Mittelschiff von
Jan Dibbets vorgestellt. (Bis 13. Juni)
Begleitpublikation: Een Kathedraal aan het Ij. De
restauratie van de Sint Nicolaaskerk voltooid. Bulletin
Stichting Vrienden van Museum Amstelkring. März
1999. 29 S., hfl. 8.50.
© Neue Züricher Zeitung -
05.05.1999