Festakt der Schweizergarde in Rom
32 Gardisten vereidigt
R. St. Vatikan, 6. Mai
Die päpstliche Schweizergarde hat das Jahr des
Schreckens überwunden. Mit einem nur unwesentlich
veränderten Zeremoniell wurden am Donnerstag 32
Hellebardieri aus praktisch allen Landesgegenden
vereidigt; Martin Muoth aus Brigels in
rätoromanischer Sprache. Der Publikumsandrang war so
gross wie selten zuvor.
Der 6. Mai ist der Tag des Gedenkens an den Sacco di
Roma, in dessen Verlauf 147 Schweizergardisten bei der
Verteidigung des Petersdoms den wütenden
Landsknechten von Kaiser Karl V. zum Opfer fielen. Den
übrigen Gardisten gelang es, den Mediceer Papst
Clemens VII. in der Engelsburg in Sicherheit zu bringen.
An diesem Gedenktag pflegen die neu in die Garde
eintretenden Männer mit ihrem Schwur zu
bekräftigen, dass sie bereit sind, für den
Schutz des Papstes mit ihrem Leben einzustehen. Die
Dienstzeit dauert mindestens zwei Jahre, die Gardisten
haben in der Schweiz ihre Rekrutenschule hinter sich
gebracht. Die Ältesten sind 24, die jüngsten 20
Jahre alt. In das grosse Jubeljahr 2000 mit seinen
gesteigerten Anforderungen geht die Garde mit einem
Bestand von 110 Mann.
Neuerungen in Aussicht gestellt
Die Besonderheit der diesjährigen Feier bestand
darin, dass ausser den Rekruten auch der Kommandant Pius
Segmüller, sein Stellvertreter Elmar Mäder und
Hauptmann Jean-Daniel Pitteloud vereidigt wurden. Die
Lücke, die am 4. Mai letzten Jahres durch die
Ermordung des wenige Stunden zuvor ernannten Kommandanten
Alois Estermann in das Korps gerissen wurde, ist nun
wieder geschlossen. Kommandant Segmüller bedankte
sich für das Vertrauen des Vatikans und die
Anteilnahme der Schweizer Bevölkerung in schwieriger
Zeit. Er stellte einige Neuerungen in Aussicht, welche
die Dienstordnung übersichtlicher machen sollen.
Bereits in den letzten Monaten wurde in der Schweiz eine
Informations- und Rekrutierungsstelle eingerichtet, dank
der die einheitliche Erfassung aller Bewerber
möglich ist. Im übrigen meinte Segmüller,
Veränderungen müssten mit Geduld und
Rücksicht vorangetrieben werden, damit keine
Sensibilitäten verletzt würden.
© Neue Züricher Zeitung -
07.05.1999