Pressespiegel

Kirche-Religion-Gesellschaft


Direkt zur Online-Ausgabe der NZZ

Aargauer Zeitung

Basler Zeitung

Berner Zeitung

Freiburger Nachrichten

Neue Luzerner Zeitung

Neue Zürcher Zeitung

St.Galler Tagblatt

Tages-Anzeiger

Sonntagszeitung

Weltwoche

Wochenzeitung

 

Unwetter, Armut, Flucht – und Caritas

Nach einem Jahr der Katastrophen vielfältige Hilfe in Albanien

Die Caritas Schweiz hat im letzten Jahr 129 Millionen Franken umgesetzt. Gut die Hälfte entfiel auf Fürsorgeaufträge von Bund oder Kantonen im Asylbereich. Im Ausland wurde umfangreiche Not- und Entwicklungshilfe geleistet, im Inland kamen einzelne soziale Projekte und Studien hinzu. Einen Schwerpunkt bildet zurzeit die Flüchtlingshilfe in Albanien, wo insbesondere auch die Aufnahme Vertriebener in Familien unterstützt wird.

C. W. Luzern, 18. Mai

Caritas-Direktor Jürg Krummenacher sprach an der Jahrespressekonferenz des katholischen Hilfswerks im Rückblick von einem «Jahr im Zeichen der Katastrophen». Die Überschwemmung von zwei Dritteln Bangladeshs, die fast die ganze Bevölkerung bedrohende Hungersnot im Südsudan, die Verheerungen des Wirbelsturms «Mitch» in Zentralamerika und andere Notsituationen riefen nach kurzfristiger Hilfe, und die Caritas erhielt denn auch 15 Prozent mehr direkte Spenden als im Vorjahr, nämlich 22 Millionen Franken (zuzüglich 15 Millionen seitens der Glückskette und anderer Dritter). Insgesamt entsprach aber die Nothilfe nur einem Fünftel der Entwicklungszusammenarbeit (25 Millionen Franken). Unter anderem leistet die Caritas nach Katastrophen Wiederaufbauhilfe, und umgekehrt erleichtert das längerfristige Engagement in einem Land Sofortaktionen bei akutem Bedarf.

Politik und Hilfe

In ähnlichem Sinn äusserte sich Krummenacher zum Verhältnis zwischen humanitärer Hilfe und humanitärer Politik. Überlebenshilfe sei notwendig, aber kein Ersatz für eine nachhaltige Verbesserung der Verhältnisse, für die Respektierung der Menschenrechte, für Demokratisierung, Friedenssicherung und Gerechtigkeit beim Zugang zu Ressourcen – der vermeintlich nur ethnisch-religiöse Krieg im Sudan beispielsweise sei durch den Kampf um Wasser, Land und Öl ausgelöst worden. Noch in einem weiteren Spannungsfeld möchte die Caritas nicht das eine gegen das andere ausspielen: Sie ist auch im Inland tätig, wobei das operationelle Hauptgewicht von den rechtlich unabhängigen regionalen Stellen getragen wird. Eine Studie über die «arbeitenden Armen» erhielt ungewöhnlich starkes Echo. Konkrete Programme gelten Arbeitslosen, einkommensschwachen Personen (Caritas-Läden) und der Bergbevölkerung; gegenwärtig sind 500 Freiwillige bei der Beseitigung von Lawinenschutt im Einsatz. Für Opfer des Hochwassers stellt die Caritas vorerst 250 000 Franken zur Verfügung.

Vertriebene und Einheimische unterstützt

Albanien war bereits mehrere Jahre ein Schwerpunktland der Caritas-Osthilfe, als für die Aufnahme Hunderttausender von Flüchtlingen aus Kosovo zu sorgen war. Das Hilfswerk rechnet damit, dass eine Rückkehr der Vertriebenen in grösserem Umfang erst in einem Jahr einsetzen wird, und hat seine Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als drei Millionen Franken auf solche Fristen ausgerichtet. Wie Erich Ruppen ausführte, unterhält die Caritas bisher zwei medizinische Ambulatorien, führt zusammen mit der «Kolping-Familie Albanien» in Lezha eine Kollektivunterkunft für 1100 Personen mit Krankenstation und psychologischer Betreuung und liefert der albanischen Schwesterorganisation Lebensmittel, Kleider und Betten.

Nicht zuletzt wegen ähnlicher Pläne des Bundes ist von besonderem Interesse, dass eine Programmlinie darauf ausgerichtet ist, 2400 privat aufgenommene Flüchtlinge und zugleich auch die Gastfamilien zu unterstützen. Etwa 40 Prozent der Vertriebenen aus Kosovo sind nach Ruppen ausserhalb von Lagern untergekommen. Da in Albanien ohnehin oft viele Menschen in wenigen Zimmern wohnen, bedeutet die Beherbergung von Flüchtlingen eine erhebliche Belastung. Die Caritas sieht vor, Nahrungsmittel und Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen und für zusätzliche Kosten, namentlich für Anpassungen bei der Infrastruktur, für Energie und Wasser, aufzukommen. Es wird ein Familiendienst aufgebaut, der die Bedürfnisse abklären und die materiellen Leistungen begleiten soll. Insofern ist dieses System relativ aufwendig. Von Barbeiträgen an die Mietkosten sieht die Caritas ab, weil dadurch Missbräuche und eine allzu starke Belegung von Wohnungen provoziert werden könnten. Der Vermeidung von Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen dient im weiteren eine Lebensmittelhilfe an etwa 1000 arme Albaner, die teilweise früher aus dem Grenzgebiet an die Küste gezogen waren.

In asylpolitischer Hinsicht bekräftigte Barbara Walther die Position der Hilfswerke: Nein zu den beiden Abstimmungsvorlagen vom 13. Juni, speziell zu den dringlichen Massnahmen, und Forderung der Möglichkeit zum Familiennachzug auch für vorläufig aufgenommene Kosovo-Albaner, damit nicht auf den illegalen Weg und Schlepper ausgewichen werde, die Einreise sich vielmehr besser kontrollieren und planen lasse.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 19.05.1999

Recherche
Links
Archiv
Suchen
Impressum

Nach oben