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Geistlicher mit Augenmass

Zum Tod von Pater Magnus Löhrer

Zu den Nebenwirkungen der Churer Bistumswirren des letzten Jahrzehnts gehört die nicht zuletzt unter medialem Einfluss entstandene Verzerrung schweizerischer Theologie- und Christentumsgeschichte. Nur wenigen theologisch interessierten jüngeren Zeitgenossen dürfte heute bewusst sein, dass die eigentlichen Impulse zur Neuorientierung katholischer Theologie hierzulande von der Diözese Chur ausgingen.

Der Tod des Einsiedler-Benediktiners Magnus Löhrer am 29. Mai erinnert an diese Churer Aufbruchszeit. Löhrer war einer der letzten Repräsentanten dieser Bemühungen schweizerischer katholischer Theologie, denen zum erstenmal der Durchbruch in den deutschsprachigen Raum und darüber hinaus gelang. Mit dem Churer Fundamentaltheologen Johannes Feiner hat er den Plan einer katholischen Dogmatik, «Mysterium salutis» (5 Bände, Benziger-Verlag, 1959–65, Übersetzungen in die europäischen Hauptsprachen), entworfen. In seiner biblisch-patristischen Fundierung und in der Spannweite der Themen setzte das Werk völlig neue Massstäbe. Den Herausgebern gelang es, neben vielen anderen Mitarbeitern, Theologen wie Hans Urs von Balthasar, Karl Rahner, Josef Ratzinger, Herbert Haag, Hans Küng, deren Wege nach dem II. Vatikanischen Konzil auseinandergingen, in das gemeinsame Projekt einzubinden. Als geschlossene Synthese ist «Mysterium salutis» bisher nicht ersetzt worden, vielleicht auch nicht mehr zu ersetzen.

Paul Löhrer wurde 1928 in Gossau geboren; 1947 trat er ins Kloster Einsiedeln ein und erhielt den Ordensnamen Magnus. Nach Priesterweihe und Promotion über den Glaubensbegriff Augustins übernahm er die Aufgabe eines Lehrers der Dogmatik an der hausinternen Klosterschule. 1963 wurde er als Dogmatiklehrer an das Pontificio Ateneo San Anselmo, der Ordenshochschule der Benediktiner in Rom, berufen. Als Dekan und Rektor der Hochschule (1978–1992) sowie als Dozent an der Päpstlichen Lateran- Universität hat er ganzen Generationen des weltweit verbreiteten Benediktiner-Ordens, die in Rom studierten, den Blick für eine ökumenisch ausgerichtete Theologie geschärft. Leider blieb eine Übernahme der Leitung der Paulus-Akademie in Zürich (1971–1976), die hohem intellektuellem und theologischem Anspruch nicht auswich, eine Episode.

Ernsthafte gesundheitliche Störungen nötigten ihn 1992 zur Rückkehr nach Einsiedeln. In den letzten Jahren musste er dreimal wöchentlich das Universitätsspital Zürich zu einer Dialyse aufsuchen. Einem leichten Unfall beim Umsteigen im Bahnhof Zug war seine geschwächte Gesundheit nicht mehr gewachsen. Humorvoll und bescheiden, war Magnus Löhrer eine Persönlichkeit, die es fertig brachte, Altes und Neues, Ortskirchliches und Weltkirchliches mit benediktinischem Augenmass in fruchtbarer Spannung zu halten.

Victor Conzemius

 

© Neue Zürcher Zeitung - 04.06.1999

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