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Erneut ein Nein des Papstes im deutschen Abtreibungsstreit

Vorschlag der Bischöfe abgelehnt

eg. Berlin, 17. Juni

Der Papst hat einen Kompromissvorschlag der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zur Beteiligung am staatlichen System der Beratung von abtreibungswilligen schwangeren Frauen abgelehnt. Wie am Donnerstag bekannt wurde, teilte der Vatikan seine Position den deutschen Katholiken in einem bisher nicht veröffentlichten Schreiben mit. Die Bischofskonferenz bestätigte aber den Eingang des Briefs. Laut Medienberichten bezeichnete der Vatikan das von den Bischöfen entworfene und dem Papst im Februar zur Entscheidung vorgelegte Kompromiss-Modell als eine «Unschärfe im sonst so eindeutigen Nein der Kirche zur Abtreibung». Nach der in Deutschland geltenden Gesetzeslage ist eine Abtreibung gesetzeswidrig. Sie bleibt aber straffrei, wenn die betroffenen Frauen ein Zertifikat einer anerkannten Stelle vorweisen können, in dem ihnen bestätigt wird, dass dem Abbruch eine Beratung vorausgegangen ist. Die Abgabe dieses Beratungsscheins durch eine kirchliche Institution hatte der Papst im Jahr 1998 abgelehnt.

Um nicht das nach langem politischem Tauziehen auf der Basis eines breiten überparteilichen Konsens etablierte System der Schwangerenberatung verlassen zu müssen, schlug die Kirche in Deutschland im Februar vor, zusätzlich zu dem umstrittenen Beratungsschein einen sogenannten Hilfebrief auszustellen, der den Frauen den Verzicht auf eine Abtreibung durch das Versprechen auch materieller Hilfe erleichtern sollte. Diese Konstruktion wurde nun vom Vatikan zurückgewiesen. Die Bischöfe werden sich in der kommenden Woche mit dem apostolischen Votum befassen; unterdessen prüfen sie, ob sie in dieser Frage noch einen Spielraum besitzen. Es wird aber allgemein angenommen, dass sie die Anweisung umsetzen werden.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 18.06.1999

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