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Beilegung des Streits um die Rechtfertigungslehre

Unterzeichnung einer Gemeinsamen Erklärung Ende Oktober

jpk. Genf, 11. Juni

Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre der katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes sowie die gemeinsame offizielle Feststellung und ein erläuternder Anhang dazu sollen am 31. Oktober in Augsburg unterzeichnet werden. Dies haben der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Ishmael Noko, und der Präsident des vatikanischen Einheitsrates, Kardinal Edward Cassidy, an einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag in Genf bekanntgegeben. Mit der Unterzeichnung der Dokumente wird ein Schlussstrich unter den fast 500 Jahre dauernden Streit um die Rechtfertigungslehre zwischen den beiden Kirchen gezogen werden.

In der Feststellung wird klargestellt, dass das in der gemeinsamen Erklärung dargelegte Verständnis der Rechtfertigungslehre zeige, dass zwischen den Lutheranern und den Katholiken ein Konsens in der Grundwahrheit der Rechtfertigungslehre bestehe. Im Anhang wird zudem festgehalten, für beide Kirchen gelte, dass ein Mensch von Gott allein aus Gnade und nicht auch auf Grund von Verdiensten angenommen wird. Der Streit um die Rechtfertigungslehre war einer der Hauptgründe für die Spaltung der Kirche gewesen. Die Einigung auf die Rechtfertigungs-Erklärung und die beiden ergänzenden Dokumente wurden von Noko und Cassidy als ausserordentlich wichtiger Schritt zur Vertiefung des ökumenischen Prozesses gewürdigt. Cassidy betonte, die Erklärung sei kein Dokument des Kompromisses, sondern ein Dokument der Wahrheit im Geist der Versöhnung. Es eröffne neue Horizonte für die Zukunft von Protestanten und Katholiken.

Noko erklärte, für die Lutheraner unterstreiche die Unterzeichnung am 31. Oktober, dem Reformationstag, dass die Reformation nicht auf eine Spaltung der Kirche, sondern auf eine Reform der Institution gezielt habe. Augsburg sei zudem der Ort, an dem 1530 von den Lutheranern die «Augsburger Konfession» vorgelegt worden sei. Dieses Dokument werde heute von den beiden Kirchen rückblickend als Versuch zur Erhaltung der Einheit der Kirche gewertet. Augsburg symbolisiere somit den Anfang des interkonfessionellen Dialogs. Die Verabschiedung der Erklärung zur Rechtfertigungslehre hätte ursprünglich 1998 erfolgen sollen, musste dann aber wegen Vorbehalten seitens der katholischen Kirche aufgeschoben werden. Diese Vorbehalte konnten nun durch die Einigung auf die gemeinsame Feststellung und die zusätzlichen Erläuterungen im Anhang ausgeräumt werden.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 12.06.1999

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