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Zulassung der Abtreibungspille RU 486

Bern, 14. Juli. (sda) Die Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel (IKS) hat Mifegyne, Markenname für die Abtreibungspille RU 486, am Mittwoch registriert. Damit ist der Vertrieb für die Schweiz zugelassen. Ab Ende September soll die Pille erhältlich sein.

Die Abtreibungspille RU 486 mit Markenname Mifegyne enthält den Wirkstoff Mifepriston und stellt eine medikamentöse Alternative zum chirurgischen Schwangerschaftsabbruch dar. Sie ist verschärft rezeptpflichtig (Verkaufskategorie A) und muss in Kombination mit einem Prostaglandin angewendet werden. Wie die IKS in ihrem Communiqué schreibt, darf Mifegyne nur im Rahmen von Artikel 120 Strafgesetzbuch verordnet und nur in bewilligten Kliniken oder Behandlungszentren verabreicht werden, welche auch chirurgische Schwangerschaftsabbrüche durchführen und über notfallmedizinische Einrichtungen verfügen.

Ein erprobtes Verfahren

Die Abtreibungspille ist in Europa bereits in Frankreich, Grossbritannien, Schweden, Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Holland und Spanien zugelassen. Sanitätspolizeilich verantwortliche Vertriebsfirma ist in der Schweiz die Cosan GmbH. Diese hält in einem Communiqué vom Mittwoch fest, dass die Wirksamkeit und Sicherheit von Mifegyne (Hersteller Exelgyn, Paris) zuerst in klinischen Studien sorgfältig erforscht und anschliessend in der Anwendung bei mehr als 500 000 Frauen bestätigt worden sei. Mifegyne ist zugelassen für den medikamentösen Abbruch der Schwangerschaft und für die Einleitung der Wehentätigkeit zur Ausstossung eines in der Gebärmutter abgestorbenen Fötus in Kombination mit Prostaglandin sowie für die Erweiterung des Muttermundes vor einer chirurgischen Abtreibung. Als seltene Komplikationen können die unvollständige Ausstossung auftreten, die eine Nachbehandlung erfordert, sowie Blutungen, die eine blutstillende Curettage nötig machen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall.

Gemäss der Schweizer Vertriebsfirma hat sich in Frankreich, England und Schweden – wo die Pille seit acht bis zehn Jahren zugelassen ist – die Anzahl der Abtreibungen nicht erhöht. Etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen hätten in diesen drei Ländern die Pille dem chirurgischen Eingriff vorgezogen. Das Recht zur Anwendung von Mifegyne hätten in der Schweiz Gynäkologen und Spitäler, welche bis anhin gemäss Artikel 120 Strafgesetzbuch den legalen Schwangerschaftsabbruch praktiziert haben. Die erste Auslieferung von Mifegyne an autorisierte Ärzte und Spitäler werde voraussichtlich Ende September 1999 erfolgen.

Reaktionen zur Registrierung

Bei der Schweizerischen Vereinigung für Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs zeigte man sich auf Anfrage sehr erfreut. Mit der Pille werde eine neue Abtreibungsmethode zugelassen, ohne dass das Gesetz geändert werde. Die Schweizer Bischofskonferenz bedauerte den Entscheid. Die Pille sei abzulehnen, selbst wenn sie nur im gesetzlichen Rahmen zur Anwendung kommt. Der Schutz des werdenden Lebens müsse gewährleistet werden. Die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind spricht in einem Communiqué von einem Affront gegen die Menschenwürde des ungeborenen Kindes. Die Vereinigung «Ja zum Leben» rief zum Boykott von bestimmten Pharmabetrieben auf. Sie will rechtlich gegen den Entscheid vorgehen. Die IKS dürfe nicht «Gift» zulassen, dessen Opfer unschuldige Kinder seien. Der Berner Nationalrat und EVP-Zentralpräsident Otto Zwygart bedauerte den IKS-Entscheid und sprach von einer «tragischen Situation».

 

© Neue Zürcher Zeitung - 15.07.1999

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