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«Schweizer Juden» – Einladung zu mehr Kenntnis

Eröffnung der Ausstellung im Stadthaus Zürich

He. Bereits in zehn Schweizer Städten hat die im Auftrag der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) konzipierte Wanderausstellung «Schweizer Juden» gastiert. Nun ist sie in der grössten Stadt zu sehen, die gleichzeitig Heimat der mit gut 5000 Zugehörigen grössten jüdischen Gemeinde ist.

Innerhalb der Ausstellung, die Herkunft, Berufe, Alltag und Geschichte der Juden in der Schweiz illustriert, ist den Zürcher Juden ein spezieller Teil gewidmet. Themen, die heute ein besonderes Interesse auf sich ziehen, werden von den Ausstellungsmachern Weingarten & Partner ebenfalls angesprochen: religiös und politisch- rassistisch begründeter Antisemitismus, nachrichtenlose Vermögen, die Beziehung der Schweizer Juden zu Israel.

Christliche Plädoyers für Wertschätzung

Anlässlich der Eröffnungsfeier betonte Stadtpräsident Josef Estermann, dass wir alle je nach Standort und Aktivität wechselnden Minderheiten angehören, dass es die Mehrheit gar nicht gebe. Wenn die Ausstellung «Schweizer Juden» nun im Stadthaus gezeigt werde, sei das nicht eine unverbindliche Geste, sondern wolle zeigen, dass die Geschichte Zürichs auch die Geschichte seiner Juden ist. Dass den Juden die volle Zugehörigkeit zur Rechtsgemeinschaft der Schweiz – spät genug, nämlich erst im letzten Jahrhundert (in Zürich 1862) – gewährt wurde, sei im übrigen nicht eine Errungenschaft der Schweizer Behörden, sondern ein Zugeständnis an Franzosen, Holländer und Amerikaner, die ihre jüdischen Mitbürger nicht länger diskriminiert sehen wollten. Auch die schwierige Zeit der Aufarbeitung der Rolle der Schweiz im Krieg habe gezeigt, dass Toleranz stets von neuem zu erarbeiten sei.

Der Weihbischof und Generalvikar Peter Henrici unterstrich die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens und die Nähe der Katholiken zu den Juden, die schon einem seiner jüdischen Mitschüler aufgefallen sei bei der Betrachtung der Gotteshäuser. Verachtung und Vernichtung anderer zur Stärkung der eigenen Identität verurteilte er als verwerfliches Vorgehen, dessen sich auch die Christen in der Vergangenheit schuldig gemacht haben. Dass auch die Reformation Schuld an den Juden auf sich geladen hat, äusserte Kirchenratspräsident Ruedi Reich. Die Christen stünden zu ihrem Versagen, freuten sich aber um so mehr, wenn die Juden sie auf das Hoffnungsvolle – jene Gestalten, die die Juden während des Krieges in Schutz genommen haben –, das es auch gegeben habe, behafteten.

Der Präsident der mitveranstaltenden GMS, der Zürcher Theologe Werner Kramer, erinnerte daran, dass die Juden, wie auch der Ausstellungstitel belege – niemand würde es für nötig halten, die «Protestanten in der Schweiz» vorzustellen –, eine Besonderheit geblieben seien. Dies, obwohl es umgekehrt sein müsste, wenn man daran denke, wieviel die Christen den Juden als ihren älteren Brüdern verdankten.

Berührend war der virtuose Vortrag von Werken des Genfer Komponisten Ernest Bloch und des in Biel geborenen Zürcher Musikers Leo Nadelmann durch Mirjam Tschopp (Violine) und Morr Guitar (Klavier), der die Eröffnungsfeier umrahmte und den an diesem Abend mehrmals erwähnten jüdischen Beitrag zur Kultur würdig illustrierte.

Reichhaltiges Rahmenprogramm

Zur Ausstellung ist nicht nur eine Broschüre mit Adressmaterial und Publikationsliste erschienen. Verschiedene Vorträge, Lesungen und Exkursionen – etwa ein Stadtrundgang unter dem Titel «Von Verfemten zu Bürgern» oder Führungen durch die Ausstellung, durch die Synagogen Zürichs und durch das Bethaus der liberalen Gemeinde – begleiten die Ausstellung. Die Bekanntschaft mit Leben und Wirken der jüdischen Mitbürger einst und heute kann in mancher Hinsicht vertieft werden.

 

Das Rahmenprogramm ist der Tagespresse zu entnehmen und liegt in der Ausstellung im Stadthaus auf, die bis zum 29. Oktober dauert.

 

 

© Neue Zürcher Zeitung - 09.09.1999

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