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Dramatischer Hilfsappell Bischof Belos in Rom

Versöhnungsbemühungen der Kirche in Osttimor

In Rom hat der osttimoresische Bischof und Friedensnobelpreisträger Belo die internationale Gemeinschaft in einem dramatischen Appell dazu aufgerufen, seiner Heimat zu helfen. Dazu sind laut dem Kirchenmann die unverzügliche Entsendung einer Friedenstruppe sowie die Bereitstellung von humanitärer Hilfe notwendig.

sdl. Rom, 14. September

Nach seiner Begegnung mit dem Heiligen Vater in dessen Sommerresidenz Castelgandolfo am Vortag hat der osttimoresische Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo von Dili, Friedensnobelpreisträger und Oberhaupt der katholischen Gemeinschaft in dem von den indonesischen Besetzern schwer drangsalierten Inselteil, die internationale Gemeinschaft am Dienstag aufgerufen, Osttimor vor dem Tod zu bewahren. Laut Belo ist es unerlässlich, dass in Dili so rasch wie möglich eine internationale Friedenstruppe an Land geht, um jene Osttimoresen, die sich in die Berge geflüchtet haben, vor den anhaltenden Brutalitäten zu schützen. Dazu muss, so der Bischof, unverzüglich damit begonnen werden, die notleidende Bevölkerung mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten zu versorgen und den von den Indonesiern in den Westteil der Insel Verschleppten die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.

Notwendigkeit eines Tribunals

Der Wiederaufbau der von den indonesischen Besetzern und ihren Handlangern innert wenigen Tagen zerstörten und geplünderten Hauptstadt sowie die Einsetzung eines internationalen Tribunals, vor dem die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden, sind laut Belo Themen, die später angepackt werden können. Er hat indessen keinerlei Zweifel darüber aufkommen lassen, dass es unumgänglich ist, die Verantwortlichen vor die Schranken eines Gerichtes zu bringen. Zum Kreis der Drahtzieher der Gewalt gegen die Osttimoresen gehöre auch General Wiranto, der Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der indonesischen Streitkräfte.

Belo, der am Dienstag auch vom italienischen Staatspräsidenten Ciampi empfangen wurde, will so rasch wie möglich nach Osttimor zurückkehren, um seinen bedrängten Landsleuten beizustehen. Er schilderte die dramatischen Umstände seiner Flucht nach Darwin und erklärte, es sei wichtig gewesen, den Anliegen seines Volkes im Ausland eine Stimme zu geben und das Oberhaupt der Katholischen Kirche persönlich um Hilfe zu bitten.

Der Weg in die Katastrophe

Der Bischof von Dili skizzierte dann den Weg, der in die Katastrophe mündete, und rief ein paar Dinge in Erinnerung, die da und dort bereits nicht mehr wahrgenommen werden. Dazu gehört etwa, dass die Armee- und Polizeiführung auf Osttimor schon Monate vor dem Referendum stillgelegte Milizverbände reaktiviert und neue Verbände auf die Beine gestellt hat, die dann auch unverzüglich aktiv wurden, indem sie die unabhängigkeitsfreundliche Bevölkerung terrorisierten. Die Übergriffe wurden mit dem Näherrücken des Abstimmungstermins immer zahlreicher; Mord und Totschlag, Brandschatzung, Zerstörung und Plünderungen eskalierten immer stärker. Laut Belo wurde dabei auch die Katholische Kirche immer mehr zur Zielscheibe der von der Besetzungsmacht ermunterten und geförderten Gewalttäter. Damit wollten sich die Integrationisten, wie der Bischof sich ausdrückte, dafür rächen, dass die Kirche über die Jahre jenen moralisch den Rücken gestärkt hat, die sich für die Selbstbestimmung der Osttimoresen aussprachen.

Belo präzisierte auch einzelne Äusserungen, die ihm in den letzten Tagen von italienischen Medien zugeschrieben worden sind. Demnach hat er nicht dazu aufgerufen, dass die Osttimoresen nun gegen die Indonesier zu den Waffen sollen, sondern lediglich festgestellt, es sei ihr gutes Recht und auch eine Notwendigkeit, sich zu verteidigen, wenn sie angegriffen würden. Was die Zukunft und das Zusammenleben der Opfer mit ihren Peinigern betrifft, gestand Belo zwar ein, dass dies mit grössten Schwierigkeiten verbunden sein werde, gleichzeitig sagte er aber zu, dass die Kirche nichts unversucht lassen werde, um eine Versöhnung herbeizuführen.

 

 

© Neue Zürcher Zeitung - 15.09.1999

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