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Kurzbesuch des Papstes in Slowenien

Seligsprechung von Bischof Slomsek

A. O. Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag während rund zehn Stunden die slowenische Stadt Maribor besucht und bei einer Messe unter freiem Himmel Bischof Anton Martin Slomsek seliggesprochen. Slomsek, der von 1800 bis 1862 lebte, war der erste Bischof der damals Marburg an der Drau genannten Stadt, des heutigen Maribor, wo er im Dom bestattet ist. In der Überlieferung des Gastlandes gilt er als ein Geistlicher von tiefer Frömmigkeit und vorab als ein grosser Förderer der slowenischen Sprache und Kultur und damit als einer der Männer, die zur Erweckung des Nationalgefühls beigetragen haben. Vor einer grossen Menschenmenge – das slowenische Fernsehen schätzte die Zahl der Erschienenen auf 200 000 – nannte Johannes Paul II. den seliggesprochenen Bischof ein leuchtendes Beispiel im Sinne des Evangeliums und nach Christi Beispiel einen guten Samariter des slowenischen Volks.

Der Papst, der seine Zuhörer auf slowenisch und dann in den Sprachen aller Nachbarländer auf kroatisch, deutsch, italienisch und ungarisch begrüsste, benutzte die Gelegenheit seines Auftritts auch zu Stellungnahmen politisch-aktuellen Inhalts. Er erwähnte die Opfer des Totalitarismus, die Massengräber auf dem Balkan, die Kriege zwischen Nationen und Kulturen sowie die grausamen «ethnischen Säuberungen», namentlich in den überwiegend muslimischen Gebieten Bosniens und in Kosovo. Johannes Paul II. rief die Völker der Region zu Toleranz und friedlichem Zusammenleben auf. Der jetzt seliggesprochene Bischof Slomsek habe zu seinen Lebzeiten gezeigt, dass man ein aufrechter Patriot sein und mit der gleichen Ernsthaftigkeit für die Zusammenarbeit mit den Angehörigen anderer Nationen und Glaubensbekenntnisse eintreten könne.

Johannes Paul II. hatte Slowenien bereits 1996 einmal besucht. Er traf jetzt in Maribor mit Präsident Kucan zusammen, mit dem das Programm am Abend, vor der Abreise des Gastes, eine Besprechung vorsah. Ministerpräsident Drnovsek, der am Sonntag zur Uno-Generalversammlung nach New York flog, war bei der Begrüssung des Papstes nicht zugegen, hatte aber die Persönlichkeit von Johannes Paul II. zuvor in einem Pressebeitrag gewürdigt. Aufsehen im Vorfeld des Besuchs erregten Äusserungen von Erzbischof Franc Rode, dem Vorsitzenden der slowenischen Bischofskonferenz, die im «Osservatore Romano» abgedruckt worden waren und vom Blatt «Delo» übernommen wurden. Der Erzbischof beklagte das fortbestehende Übergewicht einstiger Kommunisten in der Wirtschaft, der Staatsverwaltung und den Medien; letzteren hielt er eine intensive antikirchliche Einstellung vor.

 

 

© Neue Zürcher Zeitung - 20.09.1999

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