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Eremiten am Rande der Stadt

Ein neuer Schweizerischer Kunstführer zur Augustinerkirche

pi. Die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, die als aktives Forum Wesentliches zur Erforschung der Kunst- und Architekturgeschichte leistet und Kultur lebhaft zu vermitteln weiss, hat in Zusammenarbeit mit der christkatholischen Kirchgemeinde Zürich einen neuen Kunstführer zur Augustinerkirche herausgegeben. Verfasst wurde das 40seitige Büchlein von Regine Abegg und Christine Barraud Wiener.

Neben den drei prominenten, auf jeder Ansichtskarte Zürichs sichtbaren Altstadtkirchen &endash; Grossmünster, Fraumünster und St. Peter &endash; fristet die Augustinerkirche am Münzplatz ein Mauerblümchendasein. Obwohl die strahlend weisse Westfassade des Sakralbaus von der Bahnhofstrasse aus zu sehen ist, dürften ihn die meisten Vorbeieilenden übersehen. Die Augustinerkirche gehört zwar nicht zu den Hauptattraktionen der Stadt; die Geschichte des Baus, die sich hinter den Mauern verbirgt, ist jedoch ebenso faszinierend wie abwechslungsreich.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts gründeten die Augustiner, die sich nach dem Vorbild der Dominikaner organisierten, am Stadtrand, bei einem Durchgang in der Stadtmauer, am Ende der Augustinergasse, eine zweite Niederlassung im Gebiet der heutigen Schweiz; zugleich die letzte eines Bettelordens in Zürich. Bis 1419 arrondierten die Augustiner ihr Klosterareal, das nebst den Klosterbauten vorwiegend aus Gärten und einer Allmend bestand. Die Mitglieder des Konvents rekrutierten sich mehrheitlich aus Familien von Handwerkern und Kleinhandeltreibenden der Stadt. Die günstige ökonomische Entwicklung der Augustinerniederlassung in Zürich werten die beiden Verfasserinnen als Zeichen rascher Beliebtheit des Ordens. Dazu trugen Stiftungen von Angehörigen der städtischen Oberschicht bei, die sich dafür als Gegenleistung die Fürbitte der Mönche erwarben und das Recht auf einen Begräbnisplatz im Kloster.

Nach der Aufhebung des Konvents im Jahre 1524 wurde der Klosterkomplex, den die Augustiner nach 1270 zu errichten begannen, zur «Staatsbautengruppe». Es entstand unter anderem ein Almosenamt. Das Langhaus der Kirche wurde zur Trotte umfunktioniert; für ein Kornlager zog man einen Zwischenboden ein. Der Chor diente zunächst als «Mushafen», wo die Armen Suppe erhielten, und ab 1596/97 als Münzstätte. 1840 übernahm die katholische Gemeinde, die den Bau einer eigenen Kirche anstrebte, mietweise die «alte Trotte». Der Zürcher Architekt Ferdinand Stadler lieferte erste Entwürfe für den Umbau der Kirche. 1864 überliess der Regierungsrat die Augustinerkirche der katholischen Kirchgemeinde als Eigentum. Regine Abegg und Christine Barraud Wiener dokumentieren im neuen Band der Schweizerischen Kunstführer die verschiedenen Etappen der Restaurierungen, Umbauten und Rekonstruktion. Nebst einer sorgfältigen und gut bebilderten Beschreibung der Kirche widmen sich die Autorinnen auch der nicht mehr erhaltenen Klosteranlage. Dokumentiert ist auch die archäologische Untersuchung des mittelalterlichen Klosterfriedhofs an der Nordseite der Augustinerkirche, als 1981 auf einer Fläche von rund 30m2 eine dichte Abfolge von 34 einfachen Gräbern zum Vorschein kam. Nicht geklärt ist, ob es sich hier um einen Notfriedhof aus der Pestzeit von 1348 bis 1350 handelt.

 

Regine Abegg und Christine Barraud Wiener: Die Augustinerkirche in Zürich. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1999.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 09.10.1999

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