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Interkulturelle Geschichte der Kreuzzüge

aki. Die Geschichte der Kreuzzüge ist gewiss nicht unerforscht. Doch die Arbeitsgruppe, die sich 1996 zum Thema «Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge» zusammenfand, machte sich daran, gravierende Mängel der Historiographie zu beheben. Dazu zählt v. a. die bisherige Isolierung der Forschung – auf der einen Seite Arbeiten zur christlich-europäischen Geschichte, die die hebräischen Quellen ignorieren, auf der anderen Seite judaistische Arbeiten ohne eingehendere mediävistische Kenntnis. Unter der Leitung von Alfred Haverkamp (Institut für Geschichte der Juden, Trier) trafen sich deutsche und israelische Forscher, Mediävisten und Judaisten, um in interkultureller Perspektive an dem europäischen Phänomen der Kreuzzüge zu arbeiten, im speziellen an den «komplexen Beziehungen zwischen Christen und Juden» in Westeuropa. Dies ist auf drei Ebenen angestrebt. Die erste Ebene ist die «Analyse der Entstehung und Verwendung von Bildern, Symbolen, Mythen und Motivkomplexen in den Beziehungen bzw. Auseinandersetzungen zwischen Christen und Juden». Bei der vergleichenden Analyse von hebräischen und europäischsprachigen Quellen stellte sich heraus, dass einzelne Elemente, etwa die Märtyrerfigur, nicht nur der gegenseitigen Abgrenzung dienten, sondern auch zwischen den Kulturen und Konfessionen wandern konnten. Ein zweites Arbeitsfeld ist die nähere Untersuchung des Pogroms während des Ersten Kreuzzugs 1096, ein drittes Feld die spätere Zeit der Kreuzzüge bis ins 15. Jahrhundert. Auch hier ist immer wieder der Vergleich von hebräischen und europäischen Quellen entscheidend. Er macht deutlich, dass die angemessene Erforschung der Kreuzzüge nicht nur die Frage nach der christlichen Konstruktion und Exklusion des Anderen stellt, sondern auch diejenige nach der Interpretation dieser Feindschaft auf jüdischer Seite, vor allem in Europa, aber auch in Palästina.

 

Alfred Haverkamp (Hrsg.): Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Jan Thorbecke, Karlsruhe 1999. 371 S., Fr. 81.–.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 16.10.1999

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