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Bekenntnis der katholischen Bischöfe zu Europa

Abschluss einer Synode im Vatikan

Im Vatikan ist am Freitag eine Synode der Bischöfe Europas zu Ende gegangen. Eines der Abschlussdokumente enthält ein klares und eindeutiges Bekenntnis der Bischöfe zum Prozess der europäischen Integration. Die katholische Kirche will das Zusammenwachsen Europas nicht nur mittragen, sondern aktiv mitgestalten.

sdl. Rom, 22. Oktober

Mit der Verabschiedung von zwei Dokumenten ist am Freitag im Vatikan nach dreiwöchiger Dauer eine Sondersynode der europäischen Bischöfe zu Ende gegangen. Zum einen handelt es sich um Vorschläge beziehungsweise Anregungen zuhanden des Heiligen Vaters, die vorläufig geheim bleiben; sie werden in eine Schrift des Papstes einfliessen, die dieser zu einem späteren Zeitpunkt der Öffentlichkeit vorlegen wird. Im anderen Schriftstück äussern sich die Bischöfe zum Thema ihrer Tagung. Neben theologischen Aspekten wird in diesem sechs Seiten umfassenden Dokument dem Zustand des alten Kontinentes breiter Platz eingeräumt. Ausserdem gehen die Bischöfe auf Fragen im Zusammenhang mit der fortschreitenden europäischen Integration ein. Generell kommen darin ein klares und eindeutiges Bekenntnis der Bischöfe zu diesem Prozess sowie die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich immer stärker ein europäisches Bewusstsein herausbilden werde. Die katholische Kirche will das Zusammenwachsen Europas nicht nur mittragen, sondern aktiv mitgestalten.

Für ausgewogenen Integrationsprozess

Zwar werden die Befreiung der Kirchen im Osten Europas nach dem Zusammenbruch der Sowjetherrschaft vor zehn Jahren sowie die materiellen Erleichterungen für die Bevölkerung in diesen Staaten begrüsst, doch es bleibt der katholischen Hierarchie ein Anliegen, auf die Schattenseiten dieser Entwicklung hinzuweisen. Dazu zählen laut den Bischöfen die Überbetonung des Materiellen sowie das enorme Ungleichgewicht zwischen jenen Osteuropäern, die vom Umsturz zu profitieren vermochten, und jenen, die weiterhin in Armut verharren oder seither in die Misere gestürzt wurden. Weiter ist es den katholischen Bischöfen wichtig, dass der Integrationsprozess in Europa nicht zu einem Eroberungsfeldzug des Westens gegen den Osten verkommt. Einzelne Bischöfe vermeiden beispielsweise den Ausdruck «Osterweiterung»; sie sprechen statt dessen – etwas unbeholfen – von der «Europäisierung der EU». Gemeint ist damit ein Vorgehen, das den vielfältigen, indessen völlig unterschiedlichen kulturellen und geschichtlichen Traditionen in diesem geographischen Grossraum in sorgfältiger Weise Rechnung trägt.

Schattenseiten

Dem von Fortschritten bei der europäischen Integration genährten Optimismus stehen nun allerdings auch Schattenseiten gegenüber. Die Bischöfe sprechen mit vorsichtigen Worten die schrecklichen Geschehnisse auf dem Balkan an und fordern europäische Verantwortungsträger dazu auf, die Stimme zu erheben, wenn die Rechte von Individuen, von Minderheiten oder ganzen Völkern verletzt würden; die Politiker sollten sich mit ganzer Kraft für die Belange von Leben, Familie und Erziehung einsetzen. Ferner solle Europa gegenüber der Welt offen bleiben. Die Bischöfe wiederholen einen Appell von Papst Johannes Paul II., wenigstens den ärmsten unter den armen Ländern die Schulden zu erlassen.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 23.10.1999

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