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Islamismus im Überblick

Wok. Eine Bedrohung vom Ausmass des einstigen Warschaupakts stelle der radikale Islamismus nicht dar, hält Rudolph Chimelli, langjähriger Nahost-Spezialist der «Süddeutschen Zeitung», in einer Publikation zu dem Thema fest. Obwohl in einigen Ländern der islamischen Welt Islamisten das Steuerruder in der Hand hätten, sei keine einheitliche Doktrin feststellbar. Es fehlten nicht nur das Militärpotential und dessen industrielle Grundlage, sondern es mangle auch am Willen zur Hegemonie. Der von Huntington beschworene «Krieg der Zivilisationen» beschränke sich demnach auf die Ideologie. Ohne das Phänomen gewalttätiger islamischer Glaubenskrieger verharmlosen zu wollen, setzt sich Chimelli entschieden gegen die Verbreitung eines neuen Feindbildes ein. In einer in kurze Kapitel gegliederten Länderübersicht, vom Autor als Skizzen bezeichnet, wird die Heterogenität des modernen politischen Islams deutlich. Es entsteht dabei eine höchst lesenswerte Übersicht der relevanten Entwicklungen der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts, wie sie so, prägnant und gleichzeitig verständlich geschrieben, in deutscher Sprache einzigartig ist.

In einer theoretischen Einführung erteilt der Autor Politikern den Rat, Pragmatikern unter den Islamisten Gehör zu schenken, um auf diese Weise die Fanatiker und islamischen Gotteskrieger zu isolieren. In seiner Einschätzung des Islamismus als Bewegung stützt sich Chimelli auf ausgewiesene Forscher wie etwa Giles Kepel oder Olivier Roy. Dass auch der in Fachkreisen höchst umstrittene Orientalist Bassam Tibi zitiert wird, mag manche Leser erstaunen – um so mehr, als Chimelli über einen reichen Fundus an eigenen Erfahrungen und pointierten Beobachtungen verfügt. In der Türkei beispielsweise fiel ihm auf, wie sich die laizistischen, oft bourgeoisen Kritiker der Islamisten nicht daran stossen, wenn ihre eigenen Putzfrauen Kopftücher tragen. Äusserst faktenreich und gut gelungen sind Porträts einiger bekannter Islamisten wie etwa des Sudanesen at-Turabi oder des exilierten Saudi Usama Bin Ladin. Der Autor hat seine gleichnamige in derselben Schriftenreihe 1994 erschienene Publikation vollständig neu überarbeitet und aktualisiert.

Rudolph Chimelli: Islamismus. 154 S. Kostenlos erhältlich bei der Vontobel-Stiftung, Postfach, 8022 Zürich.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 28.10.1999

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