Pressespiegel

Kirche-Religion-Gesellschaft


Direkt zur Online-Ausgabe der NZZ

Aargauer Zeitung

Basler Zeitung

Berner Zeitung

Blick

Freiburger Nachrichten

Neue Luzerner Zeitung

Neue Zürcher Zeitung

St.Galler Tagblatt

Tages-Anzeiger

Facts

Sonntagsblick

Sonntagszeitung

Weltwoche

Wochenzeitung

 

Christliche und nachchristliche Blicke

«Krethi & Plethi» – eine Ausstellung in der Zürcher Wasserkirche

pi. Wer von der Quaibrücke aus der Limmat nachträumt, ist von der Altstadtsilhouette überwältigt. Die prominenten Kirchen – Grossmünster, St. Peter und Fraumünster – ragen in die Höhe. Beim Spazieren durch die Gässchen und Strassen begegnet man einer Fülle von anderen christlichen Spuren, nicht nur sichtbar in Stein gehauenen, sondern auch winzig kleinen auf Plakaten, in Schaufenstern und an Menschen.

Solchen Eindrücken ist der deutsche Photograph Andreas Hoffmann während dreier Monate im Kanton Zürich nachgegangen. In seinen Bildern hat er Christliches und Nachchristliches festgehalten. Die Landeskirchen haben Hoffmann im Rahmen des ökumenischen Projekts «2000 – anno domini – eine gemeinsame Sache der Zürcher Kirchen» mit dieser impressionistischen Bestandesaufnahme beauftragt. Herausgekommen ist ein Bildband mit schönen Schwarzweiss- Photographien und verblüffenden Gegenüberstellungen. Der Titel des Buches ist Programm: «Krethi & Plethi» ist aus der Bibel entlehnt. Die königliche Leibwache Davids war mit «Kretern und Philistern» zusammengewürfelt, mit Einheimischen und Fremden. So sehr die ästhetischen Abbildungen zum Sinnieren animieren, so sehr lässt der Band den Betrachter etwas ratlos zurück. Kein einführender Text, kein Essay, der den vielfältigen kulturellen und religiösen Spuren des Christentums im Kanton Zürich nachgeht.

Dieses Manko macht dafür die gleichnamige Ausstellung in der Wasserkirche wett. Ein Teil der Aufnahmen Hoffmanns wird als vergrösserte Reproduktionen auf Plakatwänden und Stelen präsentiert. Der Ort könnte kaum besser passen: in der Wasserkirche haben im Laufe der Jahrtausende tatsächlich Krethi und Plethi verkehrt. Diesen Aspekt streicht Ausstellungsmacherin und Archäologin Calista Fischer besonders hervor; ihr geht es darum, auf die spannende wie spannungsvolle Geschichte der Wasserkirche hinzuweisen. Der Stein, auf dem die beiden Stadtheiligen Felix und Regula angeblich im dritten nachchristlichen Jahrhundert hingerichtet wurden, ist in der geöffneten Krypta zu entdecken; dieser Gang in die Unterwelt lohnt sich.

Erinnert wird an das Mittelalter, als Frauen und Männer nach Zürich in die Wasserkirche strömten, die wegen des Hinrichtungssteins und des «heiligen» Quellwassers ein populärer Pilgerort war. In der Reformation wurde die «Götzenkirche» säkularisiert und die Krypta zugeschüttet. Der spätgotische Bau diente danach als Warenlager, als Markthalle und als Stadtbibliothek. Seit 1942 wird die Wasserkirche wieder als Sakralraum genutzt, doch fristet er seither ein Mauerblümchendasein. Fast niemand vermutet hinter diesem Bau, dessen Inneres kalt und abweisend wirkt, einen christlich wie nachchristlich dermassen bedeutenden kulturgeschichtlichen Zeugen.

Die Ausstellung in der Wasserkirche dauert bis 14. November. Im Katholischen Akademikerhaus, Hirschengraben 86, 8001 Zürich, sind Originalphotos von Andreas Hoffmann bis 4. Februar zu sehen (Montag–Freitag 7 Uhr 30 bis 21 Uhr 45, Samstag 7 Uhr 30 bis 21 Uhr). – Matthias Krieg und Peter Wild (Hrsg.): Krethi & Plethi – Christliches und Nachchristliches in Zürich. 180 S., Fr. 56.–.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 29.10.1999

Recherche
Links
Archiv
Suchen
Impressum

Nach oben