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Quälerei zu Ehren Satans

Bis zu 14 Monate Gefängnis und Busse für Satanisten

sbu. Das Bezirksgericht Horgen kennt kein Pardon mit Teufelsanbetern. Die mehrfachen Friedhofschändungen von fünf jugendlichen Satanisten und die Störungen der Glaubens- und Kultusfreiheit durch provokative Rituale hat das Gericht mit bedingten Gefängnisstrafen von 3 bis 14 Monaten plus Bussen von 1500 bis 3500 Franken sanktioniert.

Gegen Ende der einstündigen Urteilseröffnung am Bezirksgericht Horgen mahnte der Gerichtspräsident den Hauptangeklagten zu mehr Aufmerksamkeit. Der Richter versuchte gerade dem zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 14 Monaten und einer Busse von 3500 Franken verurteilten 21jährigen Maler nochmals die drohenden Konsequenzen der bedingt erlassenen Vorstrafe vor Augen zu führen. Der Angesprochene indessen tuschelte mit seinem Anwalt. Was die beiden zu bereden hatten? Kaum war die Urteilseröffnung am Mittwoch um 12 Uhr vorüber, erhob sich der Verteidiger des Anführers der Satanisten, um Berufung anzumelden.

Die fünf angeklagten Richterswiler hatten von 1996 bis 1998 mehrfach Friedhöfe geschändet und die St.-Anna-Kapelle in Wädenswil verwüstet. Ausserdem schlachteten sie während eines Rituals in einer Waldhütte fünf Kaninchen und kreuzigten die Tierchen (NZZ 2. 11. 99). Das Bezirksgericht mochte in den Taten keine einfachen Lausbubenstreiche mehr erkennen. Die Angeklagten hätten rücksichtslos die religiösen Gefühle anderer verletzt und mit ihren Friedhofschändungen darüber hinaus den Hinterbliebenen Leid zugefügt. Angeklagt waren die jugendlichen Richterswiler Satanisten wegen mehrfachen Diebstahls, Brandstiftung, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Tierquälerei sowie Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit. In dieser Liste erachtete das Gericht die Verhöhnung der christlichen Religion als die schwerwiegendste Tat.

Die zwei verübten Brandstiftungen schlugen dagegen leichter zu Buche. Bei diesen Taten hatten zwei der Angeklagten während interner Auseinandersetzungen den Kultusraum ihres Anführers in Brand gesteckt. Da sich dieser Raum in einer Abbruchliegenschaft befand und weil es den Brandstiftern nicht gelang, wie geplant das ganze Haus «abzufackeln», stufte das Gericht die Taten als geringfügig ein. Aus diesem Grund blieben die verhängten Urteile unter den Anträgen der Bezirksanwaltschaft, die bis zu 18 Monate Zuchthaus verlangt hatte.

Bei den Grab- und Kirchenschändungen mochte das Gericht auch nicht ansatzweise den Eindruck der Bagatellisierung aufkommen lassen. Die Angeklagten hätten ihre Taten zum Teil zwar noch als unter 18jährige begangen, es brauche aber keine besondere Reife, um das Unrecht des Verwüstens von Gräbern oder einer Kapelle einzusehen. Die Sanktionen fielen entsprechend deutlich aus. Um die Angeklagten die Strafen unmittelbar spüren zu lassen, koppelte das Gericht die bedingten Freiheitsentzüge mit Bussen. Der Stellvertreter des Anführers der Satanisten wurde zu einem Jahr Gefängnis bedingt und einer Busse von 3500 Franken verurteilt, zwei Mitläufer zu je 9 Monaten Gefängnis und Bussen von 2500 bzw. 1500 Franken. Ein aus der Gruppe ausgeschiedener, noch heute bekennender Satanist wurde zu 3 Monaten Gefängnis und einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Die Kosten des Verfahrens sowie den geltend gemachten Schaden müssen die Verurteilten tragen. Ausserdem sprach das Gericht einer Witwe, die durch die Zerstörung des Grabsteins ihres Mannes ein Trauma erlitten hatte, eine Genugtuung von 600 Franken zu.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 18.11.1999

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