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Protest der christlichen Kirchen in Israel

Umstrittener Bau einer Moschee in Nazareth

gsz. Jerusalem, 22. November

Die christlichen Kirchen in Israel haben am Montag einen zweitägigen Streik begonnen. Aus Protest gegen den geplanten Bau einer Moschee in Nazareth, wo der Erzengel Gabriel laut dem Neuen Testament Maria die kommende Geburt von Jesus verkündete, blieben alle den Christen heiligen Stätten des Landes geschlossen. Der Protest soll am Dienstag fortgesetzt werden. Für diesen Tag ist die Grundsteinlegung zum Bau des muslimischen Gotteshauses auf dem Vorplatz der Verkündigungskirche vorgesehen. Jahrelang hatten die Muslims der Stadt auf dem Grundstück ein «Protestzelt» unterhalten, in dem sie tagtäglich beteten. Die Christen beanspruchten den Boden jedoch für sich und beriefen sich auf Dokumente, die die angeblich wahren Besitzverhältnisse wiedergaben.

Zu allem Überfluss galt das «Protestzelt» als Ehrenzeichen für eine historische Persönlichkeit namens Shehabeddin, einen Neffen Saladins, der die Kreuzfahrer im zwölften Jahrhundert gewaltsam aus Jerusalem vertrieb. Auch die künftige Moschee soll die Christen tagtäglich an diese unrühmliche Niederlage erinnern. Der Konflikt drohte Israel bei den für das Jahr 2000 erwarteten Millionen von Touristen in Verlegenheit zu bringen, und auch die Reise des Papstes, die für Ende März vorgesehen ist, geriet plötzlich in Gefahr. Laut einem Urteil des Obersten Gerichts gehört der Boden zwar der Kirche. Doch in einem Versuch, beide Seiten zufriedenzustellen, erteilte die israelische Regierung den Muslims eine Baubewilligung für eine Moschee und entschädigte die Christen Nazareths gleichzeitig durch die Übertragung eines viel grösseren Grundstückes an einer anderen Stelle. Ausserdem soll die Bautätigkeit nach der zeremoniellen Grundsteinlegung sofort wieder eingestellt und erst im Jahr 2001 wieder aufgenommen werden.

Dieser Mittelweg wurde vor einigen Wochen von beiden Seiten in Nazareth akzeptiert, doch lehnten sich die Patriarchen des Landes gegen den Kompromiss auf. Beihilfe erhielten sie dabei vom islamischen Rat der Autonomiebehörde. Dieser forderte die Glaubensgenossen in Nazareth auf, auf den Bau der Moschee zu verzichten oder zumindest den Baubeginn zu verschieben. Die «weise Initiative» der Muslims aus den palästinensischen Gebieten wurde von den Kirchenfürsten in Israel begrüsst. Die Situation in Nazareth müsse sich beruhigen, damit das künftige Zusammenleben zwischen Christen und Muslims gewährt bleibe. Doch der Führer der islamischen Bewegung in Nazareth lehnte eine Verschiebung der Grundsteinlegung ab.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 23.11.1999

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