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Bundesamt für Flüchtlinge ehrt albanischen Priester

Unermüdlicher Einsatz für Vertriebene

be. Bern, 8. Dezember

Das Bundesamt für Flüchtlinge hat am Mittwoch in Bern einen katholischen Priester aus Albanien für seinen selbstlosen Einsatz für Flüchtlinge während des Kosovo-Krieges ausgezeichnet. Monsignor Damjan Kurti aus Durres erhielt aus den Händen von Jean-Daniel Gerber, dem Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge, einen Check über 50 000 Franken. Laut Gerber handelt es sich um eine symbolische Geste gegenüber einem Vertreter des Landes, das während des Kosovo-Krieges mit der Aufnahme Hunderttausender Kriegsvertriebener eine ausserordentliche humanitäre Leistung vollbracht hat. Der Preisträger wird die Summe für ein Projekt im Bereich der Flüchtlingshilfe aufwenden.

Das ärmste Land Europas habe die Schweiz vor einer innenpolitischen Zerreissprobe bewahrt, sagte Gerber. Hätte Albanien nicht 400 000 Kriegsvertriebene aus dem Kosovo aufgenommen, wären nämlich wesentlich mehr Flüchtlinge in die Schweiz gekommen. In seiner Laudatio auf Monsignor Kurti beschrieb Gerber, wie der Priester nach Ausbruch des Kosovo-Krieges an die Mitglieder seiner Kirche appellierte, Flüchtlinge bei sich zu Hause aufzunehmen. Kurti selber habe oft auf dem Fussboden genächtigt, damit kranke Flüchtlinge in seinem Bett schlafen konnten. Im Mai dieses Jahres hätten 100 Flüchtlinge in Kurtis Haus und 600 weitere in Zelten auf seinem Land gelebt. Die internationalen Hilfswerke hätten schnell Vertrauen in den Priester gefasst und ihn bei der Errichtung einer improvisierten Schule für Flüchtlingskinder und beim Aufbau einer elementaren medizinischen Versorgung unterstützt. Kurti habe in seinem unermüdlichen Einsatz für die Flüchtlinge nie einen Unterschied zwischen Katholiken, Orthodoxen und Muslimen gemacht.

In seiner kurzen Dankesrede sagte Kurti, er habe nur das mindeste getan, um den Flüchtlingen zu helfen. Sie hätten alle zusammen Friedenslieder gesungen und für ein rasches Ende des Krieges gebetet. Der Priester wies darauf hin, dass Kosovo und Albanien die Hilfe des Westens benötigten, wenn ein dauerhafter Fortschritt erreicht werden soll. Im Anschluss an die Feier wurde Kurti von zahlreichen in der Schweiz lebenden Kosovo-Albanern umringt, die ihm ehrerbietig die Hand schüttelten und sich unbedingt mit ihm ablichten lassen wollten. Der Priester reagierte auf die grosse Aufmerksamkeit an seiner Person mit einer Mischung aus Verwunderung und Rührung.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 09.12.1999

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