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Meist sachliche Reaktionen

Der Bergier-Bericht in Israels Medien

Ung. «Die offene Haltung und die Ernsthaftigkeit, mit der die Kommissionsmitglieder ihre Arbeit getan haben, beeindrucken mich sehr», meinte am Sonntag gegenüber der liberalen israelischen Tageszeitung «Haaretz» Noah Flug, Generalsekretär der Organisationen der Holocaust-Überlebenden in Israel. Der Bericht enthülle antisemitische Züge in der Politik der Schweiz und es bleibe, so Flug, zu hoffen, dass die sich aufdrängenden Lehren gezogen würden.

Nachdem am Freitag die englischsprachige «Jerusalem Post» eine kurze Vorschau über den Bergier-Bericht veröffentlicht hatte, musste man am Sonntag die israelische Presse schon genau durchforschen, wollte man Reaktionen auf den seit Monaten von jüdischen wie israelischen Kreisen mit Spannung erwarteten Bericht studieren. Die Vorfreude auf die neu anlaufenden syrisch- israelischen Verhandlungen haben am Wochenende den Bergier-Bericht in Israels Medien weit in den Hintergrund gedrängt. Neben Noah Flug meldete sich auch das israelische Kommissionsmitglied Prof. Saul Friedländer zu Wort. «Alarmierend» nannte er gegenüber der «Jerusalem Post» das «hohe Ausmass an Antisemitismus», das unter den schweizerischen Behörden geherrscht habe. Die Schweiz habe sogar die von den Nazis gemachte Katalogisierung der Menschen in Arier und Nichtarier übernommen, und Armee, Polizei und Grenzschutz hätten teilweise mit den Nazis zusammengearbeitet.

Die meisten Artikel waren sachlich gehalten. Sie räumten neben der Hervorhebung der indirekten Hilfeleistung der Eidgenossenschaft an die Nazis durch die Schliessung der Grenzen den bedauernden Worten von Bundespräsidentin Ruth Dreifuss relativ viel Raum ein. Einen härteren Ton schlug die Regenbogenpresse an. So betitelte «Maariw» ihre 17-Zeilen-Meldung mit der Behauptung, die Schweiz habe Tausende von Juden der Vernichtung preisgegeben, und «Yediot Achronot», das grösste israelische Blatt, gelangte zum Schluss, die Schweiz habe sich «aus Gründen des Antisemitismus geweigert, Juden aus den Händen der Nazis zu retten». Bemerkenswert ist, dass «Haaretz» seinen Artikel über den Bergier- Bericht nur in der hebräischen, aber nicht in der englischsprachigen Ausgabe veröffentlichte.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 13.12.1999

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