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Freddy Washington: «Gospel muss mit der Zeit gehen»

Mit mehr als 300 Schülerinnen und Schülern aus dem Kanton Zürich hat der Leiter der renommierten Philadelphia Singers, Bishop Freddy Washington, neue und alte Gospelsongs einstudiert, die sie heute abend im Kongresshaus vortragen werden. Peter Figlestahler fragte den amerikanischen Pastor nach den neuesten Strömungen in der Kirchenmusik der Schwarzen.

Herr Pastor, seit vielen Jahren bringen Sie Jugendlichen in aller Welt die Gospelsongs der amerikanischen Schwarzen näher. Was bewog Sie, Ihre Workshops auch bei uns abzuhalten?

Das ist eine sehr lange Geschichte. Sie reicht zurück bis ins Jahr 1973, als ich als junger, erst 18jähriger Pianist der Stars of Faith zum ersten Mal in die Schweiz kam. Claude Nobs, der Leiter des Internationalen Jazzfestivals von Montreux, hatte uns damals zu einem Gospelabend eingeladen, und erstaunt stellte ich fest, dass es in der Schweiz ein grosses Interesse an unserer Musik gab. Es war weitaus grösser als in Frankreich oder Deutschland, wo wir zuvor aufgetreten waren. Und als geraume Zeit später Schweizer Lehrer mit der Frage an mich herantraten, ob ich im Rahmen von Tourneen nicht auch Workshops für Jugendliche abhalten könnte, wie ich dies seit 1980 in den USA, Japan und in der Karibik tat, sagte ich sofort zu.

Befremdet es Sie nicht, dass man sich hier zu Lande für Gospelmusik nur in der Vorweihnachtszeit interessiert?

Nein, überhaupt nicht. Jedes Jahr müssen wir unsere Konzerte weiter vorverlegen. Die ersten fanden heuer schon Mitte November statt, und mit den Proben, den Workshops begannen wir bereits im Oktober. Persönlich stört es mich auch nicht, dass es heute ein Überangebot an Gospelkonzerten gibt. Im Grunde spricht es nur für unsere Musik. Gospel fragt nicht danach, ob man Protestant, Katholik, Muslim oder Jude ist. Es geht primär um die frohe Botschaft, die Vermittlung von Freude und Hoffnung, die wir alle heute mehr denn je benötigen.

Aus einem Workshop, den Sie im vergangenen Jahr in Luzern mit über 400 Schülern durchführten, ist inzwischen auch eine CD hervorgegangen, die in vielerlei Hinsicht überrascht. Zum einen sind da die zeitgemässen Arrangements, die fast an Partymusik erinnern. War dies eine Konzession an das Zürcher Technolabel, das «Live in Lucerne» vorfinanzierte?

Nein, von diesem Engagement hörte ich erst sehr viel später. Gospel hat sich längst ein modernes Gewand zugelegt. Seit die Edwin Hawkins Singers vor genau dreissig Jahren «Oh Happy Day» sangen und wie in einem Nachtklub oder einer Disco darboten, ist der feierliche Rahmen unserer Gottesdienste und Chorkonzerte nicht mehr so gefragt. Orgel und Klavier wurden durch Keyboard und Synthesizer ersetzt. Und neuerdings sind selbst Elemente aus dem Hip-Hop und Rap hinzugekommen - zum Leidwesen vieler Traditionalisten. Doch Gospel muss mit der Zeit gehen, will diese Musik auch weiter junge Leute erreichen.

«Oh Happy Day» fehlt aber auf diesem Album . . .

Dieses Lied kennt doch jeder. Es wurde schon Hunderte von Malen aufgenommen. Ausserdem habe ich noch nie ein Gospelkonzert erlebt, in dem «Oh Happy Day» nicht spätestens als Zugabe verlangt wurde. Wir haben es bewusst weggelassen.

Zum anderen haben Sie jedoch einen Song aufgenommen, der nicht unbedingt zum Gospel gehört: R. Kellys Schmachtfetzen «I Believe I Can Fly». War das Ihre Idee?

Nein. Die Schülerinnen und Schüler kamen auf mich zu. Sie meinten, sie könnten sich in diesem Lied sehr viel eher ausdrücken. Ausserdem würde es ihnen den Zugang zum Gospel erleichtern, dessen mehrstimmiger Gesang ja oft nicht einfach ist. Meines Erachtens darf Gospel auch R. Kelly mit einschliessen. Soviel ich weiss, hat der Hitparadenstar, der zunächst Karriere in Hollywood machte, diesen Song auf Grund seiner persönlichen, religiösen Erfahrungen geschrieben, und darum geht es ja im Gospel nach wie vor, glaube ich.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 13.12.1999

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