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Lob und Kritik

Reaktionen auf den Bergier-Bericht

fem. Der mit beträchtlicher Spannung erwartete Bericht der Bergier-Kommission hat, nicht überraschend, stark unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Von Repräsentanten der Schweizer Juden wurde der Bericht als wertvoll und ausgewogen begrüsst. Für den israelischen Botschafter in der Schweiz, Yitzchak Mayer, stellt er einen «noblen und grossen Akt des Mutes» dar. Die Schweiz wage es, der Vergangenheit ins Auge zu sehen, gab er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA zu Protokoll. Der Ehrenvorsitzende der Jüdischen Cultusgemeinde, Sigi Feigel findet den Bericht vor allem für die jüngere Generation wichtig. Und Rolf Bloch, Präsident des Holocaust-Spezialfonds, sieht in den nun vorgelegten Untersuchungsergebnissen die Basis für einen «Dialog über die Vergangenheit».

Die Reaktionen im politischen Milieu entsprachen weitgehend den Erwartungen: Die Linke fand lobende Worte für die Historikerkommission. Es sei nun bewiesen, schrieb die SP, dass die damaligen Behörden eine Asylpolitik betrieben hätten, «die der humanitären Tradition der Schweiz teilweise grob widersprach». Die Partei fordert dazu auf, Lehren daraus zu ziehen, und bringt dabei das Kunststück zustande, in diesem Zusammenhang die Problematik der «Steuerfluchtgelder» zu erwähnen.

Durchaus kritisch sind die Stellungnahmen der drei bürgerlichen Bundesratsparteien. Die SVP bezeichnete die Arbeit als «unbefriedigend» und wies einige «politisch gefärbte Passagen» zurück, nicht aber den ganzen Bericht, wie die Partei dies in Aussicht gestellt hatte. Die Würdigung der damaligen Umstände sei völlig ungenügend. Der Bericht versteige sich sogar in Andeutungen über eine indirekte Stützung des nationalsozialistischen Regimes. Das sei unhaltbar. Für die FDP ist der Bericht zwar über weite Strecken sachlich. Er blende aber auch wichtige Komponenten aus und enthalte «einseitige, tendenziöse und irreführende» Bewertungen. Laut der FDP kommen die nichtjüdischen Flüchtlinge zu kurz; zudem vermisst sie den Einbezug der Aktivdienstgeneration sowie einen umfassenden Vergleich mit der Flüchtlingspolitik anderer Staaten. Für die CVP werden die schwierigen Umstände, in denen sich die Schweiz damals befand, zuwenig gewürdigt. Es handle sich deshalb in keinem Fall um einen «abschliessenden Wahrheitsbericht». Äusserst scharf reagierte schliesslich die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns). Der «parteiische und selbstgerechte Bericht linker Historiker» enthalte unhaltbare Schuldzuweisungen an die damalige Staatsführung, die unter schwierigsten Umständen handeln musste.

Aus dem Ausland kamen mehrheitlich positive Stellungnahmen. Der Sprecher des Jüdischen Weltkongresses, Elan Steinberg, sprach von einem «Wendepunkt in der schweizerischen und europäischen Geschichte». Der Direktor der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vachem begrüsste das Fazit der Kommission, gleich wie der Leiter der israelischen Niederlassung des Simon-Wiesenthal-Zentrums. Bloss Moshé Zanbar, Präsident der Vereinigung der Holocaust- Überlebenden, übte Kritik am Bundesrat, der sich «gegen eine Summe von etwas mehr als einer Million Franken» durch zwei private Banken von seiner Verantwortung losgekauft habe.

 

© Neue Zürcher Zeitung - 11.12.1999

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