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Was wissen wir über Reis? - Ein paar Grundinformationen.

 
Reisbank in Svag Rien in Kambodscha  

Wir begegnen Reis täglich in den verschiedensten Formen und Funktionen: als Lebensmittel auf unserem Teller und als Reismehl, Reiskuchen oder Reiswein, als Kulturgut oder Alltagsgerät in Form von Reisbesen und Reismatten. Was wissen wir aber über Reis? Hier ein paar Grundinformationen.

     

Reis - ein Globetrotter

 

Reis ist nicht nur das am meisten angebaute, sondern auch das älteste Getreide in der Menschheitsgeschichte: Nach neusten Erkenntnissen wurde er schon vor 11500 Jahren am Fluss Jangtse im heutigen Zentralchina kultiviert. Dank seiner Anpassungsfähigkeit an nahezu alle klimatischen Bedingungen wurde Reis schon früh in verschiedensten Teilen unserer Erde angebaut. Die erste Nachricht von östlichen Reiskulturen brachte Alexander der Grosse im vierten Jahrhundert vor Christus von seinem Indienfeldzug heim. Der Reis selber gelangte jedoch erst später über den Mittelmeerraum nach Europa: Im siebten Jahrhundert nach Christus wurde er am Nil angesät und von den islamischen Eroberern zu Beginn des 10. Jahrhunderts auf der Iberischen Halbinsel eingeführt. Erst ab 1700 gelangte er nach Südfrankreich und Norditalien.

 

Reis in Zahlen

 

Heute ist Reis für mehr als die Hälfte der Menschheit das Grundnahrungsmittel und wird auf allen Kontinenten angepflanzt. 90 Prozent der gesamten Welternte wird in Asien erzeugt. Die Länder mit dem grössten Reisanbau sind China (187, 5 Mio Tonnen Jahresernte), Indien (111 Mio), Indonesien (44,3 Mio), Bangladesh (28, 6 Mio), Thailand (20 Mio), Vietnam (19,4 Mio), Brasilien (9, 5 Mio), USA (7 Mio), Nigeria (3,2 Mio), Italien (1,3 Mio) und Australien (0,7 Mio). Sieben von zehn Reisessern leben in Asien: In Vietnam, Kambodscha, Burma und Bangladesh wird weltweit am meisten Reis konsumiert. An zweiter Stelle stehen Indonesien, Thailand, Nepal, Liberia und Guinea, gefolgt von China, Japan, Peru, Surinam, Guyana und Malaysia. Die asiatischen Länder produzieren damit den grössten Anteil an Reis für ihren Eigenbedarf - nur vier Prozent der Weltproduktion werden exportiert. Den internationalen Markt beherrschen die USA, Vietnam, Thailand und China.

Kann Reis die Ernährung der Weltbevölkerung sichern?

 

Mit dem 20. Jahrhundert ist für den Reis ein neues Zeitalter angebrochen: Das Ernährungsproblem vergrössert sich parallel zur Bevölkerungsexplosion und in Asien wird die Bevölkerung bis ins Jahr 2025 um 50 Prozent angewachsen sein. Bis dahin werden die Menschen doppelt soviel Reis wie heute konsumieren.

Mit der «Grünen Revolution» wurde die Reisproduktion seit den 60er Jahren zwar verdoppelt. Vor allem auf Initiative des Internationalen Reisforschungsinstitutes (IRRI) auf den Philippinen wurde der Ertrag nicht dank Vergrösserung der Produktionsflächen, sondern mit neuen technischen Mitteln gesteigert: neue Bewässerungstechniken, Einsatz von Chemie (Kunstdünger und Pestizide) und Züchtung von Hochertragssorten. Der massive Produktonsanstieg wurde von den Regierungen, die eine Bewältigung des Ernährungsproblems erhofften, allzu optimistisch begrüsst, denn die Nachteile der «Grünen Revolution» wurden bald offenkundig. Der Bedarf an Saatgut, Kunstdünger und Pestiziden stürzte die Kleinbauern in Abhängigkeit von multinationalen Konzernen und verursachte hohe Kosten. Diese sozialen Auswirkungen wurden von ökologischen Folgen begleitet: Durch den übermässigen Einsatz künstlicher Reissorten war die Artenvielfalt gefährdet und von rund 120 000 in der Natur vorkommenden Sorten wurden nur noch wenige hundert angepflanzt und das Wasser in den Reisfeldern zunehmend verschmutzt und überdüngt.

Reis gegen Verschuldung: Alternative Anbaumethoden

Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerke wie Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein fördern als Alternative zu diesen zerstörerischen Anbaumethoden mit verschiedenen Projekten eine umweltverträgliche, diversifizierte und auf den lokalen Gegebenheiten aufgebaute Reisproduktion. Sie unterstützen die Neuentdeckung traditioneller Anbaumethoden und die Schaffung von gemeinschaftsfördernden Einrichtungen wie Reisbank, Reismühle und Ersparniskasse. Dank dieser Form der Nahrungsmittelsicherung können die Farmer sich und ihre Familien ernähren und befreien sich aus ihrer Abhängigkeit von grossen Firmen und Grossgrundbesitzern, bei denen sie oft verschuldet sind.

Dominique Schärer

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