Aktion 2000 / Handeln

Was macht der Reis in der Bank?

 
Reisbank in Svag Rien in Kambodscha  

Wer denkt, dass in einer Bank bloss Geld, Schmuck, Gold und Wertsachen aufbewahrt werden, kann sich ganz schön täuschen.

In Laos, Indien, Kambodscha, Vietnam, Madagaskar und vielen anderen Ländern der Erde gibt es Reisbanken, Bohnenbanken, Wasserbüffelbanken, Hühnerbanken und viele andere mehr. Im Gegensatz zu unseren Paradebanken an den schönen Plätzen mit blinkenden Fensterscheiben, sind die Reisbanken meist einfache Hütten, die auf Stelzen stehen.

Sie bestehen aus Latten oder Bambusstangen, einer dünnen Wand, die vor Regen schützt und einem wetterdichten Dach. Die Bank steht auf Stelzen, damit weder Ratten noch Mäuse das Kapital in der Bank zerstören können, denn das Reisguthaben ist oft das einzige, was arme Familien ausser ihrem Hausstand besitzen.

Eingezahlt wird der Reis meist wöchentlich, an der Versammlung der Reisbank-Gesellschaft. Diese wird geleitet von einer Präsidentin und einer Schreiberin. Jedes Reiskorn, das in die Bank gebracht wird, wird gewogen und verbucht. Der Reis gehört allen zusammen. Wer Not leidet, wer zuwenig zu Essen hat oder ein krankes Kind zu Hause hat, stellt einen Antrag an die Reisbank-Gesellschaft. Gemeinsam wird besprochen, wer einen Kredit in Form von Reis bekommt. Den Reis kann die Familie zum Kochen brauchen oder auf dem Markt verkaufen um mit dem Geld Medikamente oder was immer gebraucht wird, zu kaufen. Zurückgezahlt wird mit einem kleinen Zins, damit die Reisbank auch genügend Reis für alle Bedürftigen enthält. So müssen die Familien, die dringend Geld oder Reis brauchen, nicht Kredite aufnehmen, die sie zu Wucherzinsen, die bis zu 300 Prozent im Monat betragen können, zurückzahlen müssen.

Reisbauer auf den Philippinen  

Andere Reisbanken enthalten nur ungeschälten Reis, der auch als Saatgut gebraucht werden kann. Diese Reisbanken geben zur Saatzeit einen oder mehrere Säcke Reis an die Bauern ab.

Nach der Ernte zahlen die Bauern den Reis, den sie als Saatgut erhalten haben, zurück und geben noch 10 oder 20 Prozent mehr ab, damit im nächsten Jahr noch weitere Bauern, die sich das teure Saatgut nicht leisten können, Reis anpflanzen können.

So wird der Reis zu einer geheimen Währung der Armen. Eine Schale Reis füllt den Magen immer gleich, ob jetzt der Reispreis hoch oder tief ist. Eine Schale Reis aus der Reisbank hilft im richtigen Moment mehr als ein teurer Bargeldkredit beim Geldverleiher.

 
 

Möchten Sie genauer wissen wie eine Reisbank funktioniert? Bala und Mewa stellen Ihnen in Form eines Kinderkrimis auf dem Bastelbogen für neugierige Kinder und gwundrige Erwachsene ihre Reisbank im Dorf vor. Und vielleicht steht in Ihrer Stadt nächstes Jahr eine Reisbank vor der grössten Geldbank...

Weitere Informationen finden Sie auf www.fastenopfer.ch oder www.bfa-ppp.ch.

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